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Die Verwaltung muss Aufgaben abgeben

Von Stephanie Dirnbacher

Wirtschaft

Kostendruck und Qualitätssteigerung erfordern Umdenken. | Bürokratie geht vor Bürgernähe. | Wien. Bürokratische Hindernisse, lange Wartezeiten und wenig Auskunftsfreude - das sind die wenig schmeichelhaften Attribute, die man den heimischen Behörden zuordnet. Doch die österreichische Verwaltung gerät zunehmend unter Druck, und zwar unter Kostendruck und den Druck der Bürger, die einen steigenden Qualitätsanspruch an die Ämter richten. Davon ist Franz Schwarenthorer, Berater bei Contrast Management-Consulting mit dem Schwerpunkt öffentliche Verwaltung, überzeugt.


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"Es geht darum, mit Mitteln, die immer weniger werden, immer mehr Aufgaben zu erfüllen", sagt er zur "Wiener Zeitung". Daraus ergibt sich für die Verwaltung seiner Ansicht nach die Notwendigkeit, nicht nur effizienter zu werden, sondern auch "manche Leistungen gar nicht mehr zu erbringen". Eine weitere Option: Der Staat könnte sich überlegen, die Anzahl der Personen, für die gewisse Leistungen erbracht werden, zu minimieren. Das alles soll laut Schwarenthorer in vielen Fällen sogar ohne Gesetzesänderung möglich sein, weil die Verwaltung innerhalb der Gesetze ohnehin einen gewissen Interpretationsspielraum hätte.

Eine effizientere und bürgernähere Verwaltung kann allerdings noch mit anderen Mitteln erreicht werden, die unter New Public Management zusammengefasst werden können. Dazu zählen etwa die Einführung einer Kostenrechnung, einer Leistungsplanung oder Strategieentwicklungen.

Österreich kein Pionier

Hierzulande findet man vereinzelt solche Initiativen. "Es hat sicher in jedem Ministerium und in jeder Landesverwaltung irgendeine Abteilung oder Sektion New Public Management-Instrumente angewendet. Das muss man aber von einer flächendeckenden Anwendung unterscheiden", meint Schwarenthorer. Lediglich das Finanzministerium könne eine flächendeckende Einführung von Strategieentwicklung vorweisen. Dort hat laut Schwarenthorer jede Führungskraft und jeder Mitarbeiter Ziele, an denen er gemessen wird.

Dass Österreich keineswegs als Pionier in Sachen New Public Management gilt, bestätigte auch Isabella Proeller, Expertin für New Public Management, bei einer Veranstaltung der Infora Consulting Group, bei der sich alles um Verwaltungsmodernisierung drehte. Die Professorin für Public- und Non-Profit-Management an der Universität Potsdam räumte weder der österreichischen noch der deutschen Verwaltung einen Stockerlplatz im besten Management ein.

Trotzdem seien die Ergebnisse, die hierzulande und in Deutschland von den Behörden erbracht werden, top. Hier ortet Proeller allerdings auch ein Hindernis für die Umsetzung von New Public Management: Warum sollte man etwas ändern, wenn der Verwaltung ohnehin ein gutes Zeugnis ausgestellt wird?

Für Proeller liegen die Vorteile von New Public Management auf der Hand und sind "empirisch nachgewiesen": eine kürzere Verfahrensdauer vor den Behörden und mehr Kundenzufriedenheit. Zwar ist der Einsatz von New Public Management "nicht unbedingt sparsamer, aber die Effizienz steigt". Auch Schwarenthorer warnt davor, sich durch den Einsatz von New Public Management rasche Einsparungen zu erhoffen. Die Einführung koste zuerst einmal Geld. Erfolge würden sich erst nach ein, zwei Jahren zeigen. Im Zuge dessen würde es dann häufig auch gelingen, Kosten und Personal einzusparen.