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Die Wendung mit der Maus

Von Christina Böck

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Selten gibt es Menschen, die Micky Maus und Donald Duck gleichermaßen die Sympathie schenken. Es ist eher so: Donald-Freunde (zumindest "Lustiges Taschenbuch"-sozialisierte) sehen in der Micky Maus im besten Falle eine eher langweilige, aber betuliche (weiße Handschuhe!) Figur, die es halt auch gibt. Im weniger guten Fall ist die Maus ein systemerhaltender Opportunist mit alibihaft anarchistischem Sidekick (Goofy). Dazu passt, dass der Mäusekopf heute vor allem Symbol für einen der mächtigsten Konzerne ist. Die Globalisierung hat ein Gesicht, und es hat große Ohren. Meinen manche.

Nun wird am Montag der 85. Geburtstag von Micky Maus gefeiert. Und das ist eine Gelegenheit, einmal auf den schwierigen familiären Hintergrund der Maus hinzuweisen. Denn geboren wurde Micky Maus ja als Hase. Als "Oswald, der lustige Hase". Als sich freilich abzeichnete, dass eine Maus mehr Erfolg haben könnte, wurden die Ohren flugs gestutzt und der Name geändert: auf Mortimer Mouse. Und als das zu sehr nach Arthur Conan Doyle klang, musste der Name auch weichen: Micky Maus sollte die Figur fortan heißen. Ihr Vater (Walt Disney) hat sich übrigens Gerüchten zufolge einfrieren lassen und wartet auf die technische Machbarkeit seiner Auferstehung von den Toten.

Keine schlechte Karriere also für einen Eiswaisen, der ein massives Identitätsproblem haben muss. Kein Wunder aber, dass sich diese Hasenmaus dann mit zwielichtigen Typen umgibt, die sich von Mottenkugeln ernähren (wer vermisst ihn nicht: Gamma mit der Zauberhose). Und so gesehen: Doch nicht so öd, die Maus.