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Die "Wiedergeburt" eines Kontinents

Von Simon Inou

Politik

Letzte Woche hat die Organisation of African Unity (OAU) an ihrem 36. Gipfeltreffen in Togo weitere Anstrengungen unternommen, dem lang gehegten Projekt einer Afrikanischen Union schärfere Konturen zu verleihen. Die 33 Staats- und Regierungschefs verabschiedeten ein Dokument, das als Gründungsakte der neuen Union aufgefasst werden kann.


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Die Gründungsakte der Afrikanischen Union tritt in Kraft, wenn sie von mindestens zwei Dritteln der Unterzeichnerstaaten der OAU ratifiziert worden ist. Nach dem Fahrplan, der am Sondergipfel der OAU im September 1999 in Sirte in Libyen verabschiedet worden war, soll die Ratifizierung zügig durchgeführt werden, damit noch im Jahr 2001 die Gründungsversammlung der Afrikanischen Union stattfinden kann.

Die Idee einer Afrikanischen Einheit ist nicht neu. Schon in der 50er- und 60er-Jahren, vor der Unabhängigkeit vieler afrikanischer Staaten, hatte der ehemalige ghanesische Präsident, Kwame Krumah, zu einer Einheit aufgerufen. Ohne Erfolg, da verschiedene afrikanische Länder von Kolonialmächten wie Frankreich und England unter Druck gesetzt waren. In seinem Buch "Afrika must Unite" hatte Krumah schon damals die politische Basis eines vereinten Afrika skizziert.

Letzte Woche in Togo zeigte sich auch Libyens Führer, Muammar Gaddafi, in froher Stimmung. Ein afrikanischer Journalist in Frankreich begründet das Interesse Gaddafis am Afrika südlich der Sahara so: "Gaddafi kehrt zurück nach Subsahara-Afrika, weil er enttäuscht von seinen eigenen arabischen Freunden war, die während des langen Embargos von den Vereinten Nationen nicht zu ihm und seinem Land gehalten hatten." Die Subsahara-Afrikaner waren die einzigen, die das Embargo nicht respektierten - Nelson Mandela hatte während des Embargos trotz aller Warnungen der UNO eine politisch und wirtschaftlich begründete Reise nach Libyen unternommen.

Das Togo-Projekt einer Afrikanischen Einheit plant die Gründung eines Exekutivrates, an den der Auftrag ergeht, eine gemeinsame afrikanische Politik, vor allem in den Bereichen Handel, Transport, Industrie, Erziehung und Umwelt, zu formulieren. Das Sekretariat der Union nennt sich Exekutivkommission.

In der "globalisierten Welt", in der sich Länder zum Zweck einer neuerlichen Erstarkung vereinen, ist diese "neue" Idee willkommen. Ein Diplomat aus dem Kamerun bemerkte nach dem Gipfel treffend: "Diese Idee ist eine große und auch die Wiedergeburt der OUA."

Nun müssen bis März 2001 andere Skeptiker wie die Präsidenten Thabo Mbeki aus Südafrika, Obasanjo aus Nigeria, Arap Moi aus Kenia und Bouteflika aus Algerien überzeugt werden, damit auch sie die Einigung unterstützen.

Denn die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind nur gemeinsam zu bewältigen. Wie ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Nur gemeinsam können wir schwere Gewichte tragen."