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Die Wutbürger haben ein neues Idol in der Person des Kabarettisten Roland Düringer, der sich in "Dorfers Donnerstalk" im ORF über die politischen Umstände echauffierte. Gegen jene, die uns in die Hamsterräder zwingen, gegen das Schulsystem und gegen die Finanz und ihre sogenannte Krise. "Wir sind die, die nicht mehr ihre Stimmen in Urnen werfen werden. Wir werden sie behalten, damit wir schreien können: Wir sind wütend!", brüllte Düringer, woraufhin das Publikum aufsprang und jubelte.
Was ist da passiert? Ist im österreichischen Fernsehen unvermittelt die Revolution ausgebrochen und keiner hat’s bemerkt? Jedenfalls ist der Clip der Renner in den sozialen Netzen - meist mit dem Vermerk, dass selten so wahre Worte gesprochen wurden.
Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Theater und Fernsehen politischer Kritik eine Hintertüre öffnen. Schon in der Antike wurde Kritik an den Herrschenden in Dramen verpackt, vor und während der Aufklärung war das Theater oft der einzige Ort, an dem öffentlich Tacheles geredet werden konnte. Allerdings ist es nicht der Schauspieler, der hier politisiert, sondern seine Rolle. Und auch das Publikum spielt seine Rolle, indem es frenetisch jubelt - in dem Wissen, dass ihr Jubel im Fernsehen zu sehen sein wird. Es ist also nicht zu erwarten, dass die Massen nach der Sendung zu den Mistgabeln greifen werden, um die nächste Bank zu okkupieren.
Es ist, wenn man so will, ein reinigendes Ritual, um es wem auch immer einmal so richtig reinzusagen. Nicht mehr und nicht weniger. Aber sicher keine politische Grundsatzrede.
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