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Diskreter werben

Von Andreas Rauschal

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Als besonders unbeliebt unter Werbern gelten Produkte, die man nicht unmittelbar mit Sex unters Volk bringen kann. Also eigentlich alle, weshalb um fünf vor Büroschluss wieder einmal resigniert und dem Verkaufsobjekt erst recht ein Topmodel beigestellt wird. Arbeitsmotto und Jubelmeldung: Sieht doch gleich besser aus! Eine eiserne Ausnahme diesbezüglich ist in Teilen des Sanitärbereichs zu finden, für den die Vollblutprofis der Zunft mit schwerem Geschütz auffahren müssen. Intern spricht man vom Häuslschmäh, wenn es darum geht, aus der kleinen Verkaufsbotschaft auch hier ein großes Geschäft zu machen. Schneiden animierte Bakterien (wie so oft) grässliche Fratzen aus dreckigen Schüsseln, ist die Mission wohl eher gescheitert. Dafür aber gibt es jenen TV-Spot, in dem eine Frau ihre Liebe zum Wasser bekundet, während Mutter Natur ihr mit einem üppig sprudelnden Gebirgsbach ein frisches Entspannungsbad einlässt. Worum aber geht es jetzt? "Das WC, das sich mit Wasser reinigt", versteht man und fragt: "Womit denn auch bitteschön sonst? Mit Champagner?" Doch ist der Verhörer rasch korrigiert, die Toilette will nicht sich selbst, sondern uns mit Wasser versorgen. Der im Anschluss gereichte Info-Verweis auf die Web-Präsenz des Unternehmens ließe ohne entsprechendes Vorwissen erst gar nicht auf ein konkretes Produkt schließen.

Toll, es geht auch subtil! Werbung, so vornehm wie die alte Sexshop-Aufschrift "Diskreter Seiteneingang!".