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Divide et vide

Von István Orbán

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Bei Wochenend-Terminen muss ich die Fernseh-Programmierung mit meinen Kindern ausverhandeln. Meist kriegen sie den Hauptabend, danach darf ich. Es sei denn . . . Vergangenen Freitagabend stand in ORF 1 "Domino Day" auf dem Programm. Meine Kinder fieberten mit, bis der letzte Stein gefallen, das Ergebnis ausgezählt und der Weltrekord bejubelt war. Nach 23 Uhr durfte ich dann mit Verspätung zum (lt. Ankündigung) Kultfilm auf 3sat: "Performance" (GB 1969, R: Donald Cammell und Nicolas Roeg). Mick Jagger spielt sich selbst, Anita Pallenberg seine verrückte Muse, eine durchgedrehte Story jenseits von Logik. Gut und auch amüsant; aber Kult? Allemal Kult kam gleich danach: "Tohuwabohu", einstens (kaum zu glauben!) vom ORF produziert. Ich jedenfalls kann gar nicht genug davon kriegen.

Samstags Ö1, Hörspiel-Galerie: "Man spielt nicht mit der Liebe" von Alfred de Musset, Südwestfunk 1958. Mit (u. a.) Werner Krauss und Oskar Werner, Regie Gert Westphal. Ein schöner Text, wunderbar gesprochen - ein Genuss! Der Wermutstropfen: Weder in der An-, noch in der Absage wurde der/die Übersetzer/in genannt. Eine schlechte Manier. Abends wieder Oskar Werner auf 3sat, mit vielen, bisher unveröffentlichten Privataufnahmen. Ich mag ihn (außer seinen Weinheber). Danach hier Poetry Slam, ich habe aber zu "Anatomie" in ORF 1 gewechselt. Hätt' ich nicht tun sollen. Denn nach anfänglich gut aufgebauter Spannung zerplatzt der Film in Blut und Klischee. Am Sonntag "Ambiente" in Ö1; nicht der Rede wert. Abends wollte ich die "Tonspuren" über Mircea Dinescu hören. Doch stattdessen suchte ich im dunklen Prater den halben Auspuff meines Autos; der war nämlich auf dem Heimweg abgerissen. Wie sagt es Kurt Vonnegut (eben 80 geworden) in seinem "Schlachthof Nr. 5"?: So geht das.