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Doch keine Empfehlung zur Auffrischung für alle

Von Phillip Strobl

Politik

Das Nationale Impfgremium spricht neue Covid-Impfempfehlungen aus. Eine Infektion zählt jetzt doch.


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Vor rund drei Wochen hatte das Nationale Impfgremium (NIG) noch den vierten Stich für alle ab zwölf Jahren empfohlen. Die Impfung sei "wesentlicher als die Infektion", erklärte der Impfexperte Herwig Kollaritsch, der auch Mitglied des NIG ist. Er verwies darauf, dass eine Infektion mit einer alten Variante die Impfung mehr oder weniger ersetzt habe. Das sei bei Omikron aber nicht der Fall, deshalb sollten sich alle spätestens ein halbes Jahr nach der dritten Impfung boostern lassen, unabhängig davon, ob in der Zwischenzeit eine nachgewiesene Infektion überstanden wurde.

Dafür gab es Kritik für das Impfgremium - auch innerhalb der Wissenschaft, weil die damaligen Empfehlungen zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wissenschaftlich bereits nicht mehr haltbar war. Kollaritsch argumentierte im Ö1-"Mittagsjournal" am Montag mit neuen Evidenzen, die hätten eingearbeitet werden müssen, durch die sich die Empfehlungen regelmäßig ändern würden. Das sei in der Vergangenheit so gewesen und werde auch in Zukunft so sein. Menschen unter 60 Jahren, die dreimal geimpft sind und eine Infektion mit der Omikron-Variante durchgemacht haben, können mit der Auffrischung nun mindestens bis sechs Monate nach Genesung warten.

Andere Länder, andere Impfsitten

Kollaritsch erklärte, eine Studie aus Portugal sei ausschlaggebend für die aktualisierten Impfempfehlungen gewesen. Aus der Studie gehe hervor, dass die erwähnte Personengruppe einen besonders hohen Schutz aufweisen würde. Eine frühere Auffrischung würde für jüngere Personen kaum einen Zusatznutzen bei den derzeit vorherrschenden Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 mit sich bringen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland empfiehlt seit Mitte August allen Personen ab 60 Jahren eine vierte Impfung, allen jüngeren Kohorten ab fünf Jahren nur bei einem erhöhten Risiko für schwere Covid-Verläufe.

Dänemark geht einen anderen Weg. Das Covid-19-Impfprogramm für unter 18-Jährige wurde dort gänzlich eingestellt. Begründet wird das mit der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche nur äußerst selten schwer an Corona erkranken würden. Eine vierte Impfung wird nur mehr Personen über 50 Jahren und Personen mit stark geschwächtem Immunsystem angeboten. Bei jüngeren, gesunden Personen ist - vorerst - nach der dritten Covid-Schutzimpfung Schluss.

Auch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) empfiehlt für den Herbst, den Fokus auf Menschen ab 60 Jahren und jene mit Vorerkrankungen wie etwa Diabetes zu legen. Ausgehend von den zu erwartenden steigenden Infektionszahlen im Herbst, empfiehlt auch das hiesige Impfgremium diesen Personen, mit der Auffrischung nicht zuzuwarten. Schwangeren und Berufstätigen, die aufgrund ihrer Tätigkeit ein erhöhtes Infektionsrisiko aufweisen, etwa Ärzte, wird ebenfalls empfohlen, mit der Auffrischung nicht zu warten.

Die Grundimmunisierung wird weiterhin empfohlen

Allgemein bleibt die NIG-Empfehlung aufrecht, wonach alle Personen eine Grundimmunisierung, also drei Teilimpfungen, vorweisen sollten. Das Impfgremium betont aber, dass anders als etwa in Deutschland und Dänemark die Auffrischungsimpfung ab 12 Jahren zugelassen sei und jederzeit durchgeführt werden könne. Der vierte Stich wird daher weiterhin "jeder Person empfohlen, die sich schützen will".