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Drei Jahre nach der Fußball-EM zeigen die Stadien ihren wahren Wert

Von Matthias Nagl

Analysen

Noch keine drei Jahre ist die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz her. Und in beiden Ländern mehren sich die Probleme mit den zum Großteil um Steuergeld erbauten Stadien. Am Dienstag hat der Schweizer Erstligaklub Grasshoppers Zürich seinen Auszug aus dem EM-Stadion Letzigrund verkündet. Die von der Stadt geforderten Kosten sind dem Klub zu hoch, in Zukunft will die Züricher Institution ihre Heimspiele entweder in Aarau oder in Emmen, jeweils knapp 40 Kilometer von Zürich entfernt, austragen.


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Die 660.000 Euro Stadionmiete sind dem finanziell und sportlich strauchelnden Klub zu hoch, da wird selbst die Aufgabe eines Teils der Identität in Kauf genommen. Immerhin hat die Stadt im FC Zürich noch einen Spitzenklub als - auch nicht restlos glücklichen - dauerhaften Mieter, auch deshalb wollte die Stadt den Grasshoppers keinen Rabatt gewähren.

So gesehen kann sich Zürich im Vergleich etwa zu Klagenfurt glücklich schätzen. Dort spielt in einem Stadion für 30.000 Zuschauer der Regionalligist Austria Klagenfurt mit einem Schnitt von etwas mehr als 1000 Zuschauern. Hin und wieder ist das Nationalteam zu Besuch, eine annähernd ernstzunehmende Auslastung sieht anders aus, das resultierende Minus aus dem Stadion muss der Eigentümer, die Stadt Klagenfurt, begleichen.

In Salzburg blieb die Kapazität auf Wunsch von Mieter Red Bull, der jährlich 450.000 Euro Miete bezahlt, bei 30.000 Besuchern. Seit der EM war das Stadion aber in keinem Bewerbsspiel mehr ausverkauft. Doch auch ein etwaiger Rückbau ist kein Allheilmittel. Als einziges EM-Stadion wurde bisher der Innsbrucker Tivoli auf 17.000 Plätze verkleinert, Bundesligist Wacker Innsbruck stöhnt dennoch über die Stadionmiete von rund 10.000 Euro pro Spiel und geriet in dieser Saison bereits in Zahlungsrückstand.

Dabei verlangen die Eigentümer Stadt und Land von den Innsbrucker Sportvereinen einen nur etwa 30-prozentigen Kostendeckungsgrad, wie Michael Bielowski, Geschäftsführer des Innsbrucker Stadionbetreibers Olympiaworld, erklärt.

Die jeweilige Miete richtet sich dabei generell nur bedingt nach wirtschaftlichen Kriterien. "Die Miete ist überall unterschiedlich und hängt vom politischen Auftrag, den die Stadionbetreiber zu erfüllen haben, ab", sagt Bielowski. Damit wird offensichtlich, dass die öffentlichen Gelder für die Stadieninfrastruktur im Vorfeld der EM in erster Linie Investitionen in das Image und Unterhaltungsangebot der Austragungsorte waren. Ein dauerhafter wirtschaftlicher Impuls, als der die Europameisterschaft 2008 im Vorfeld ebenfalls verkauft worden war, sieht anders aus.