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Drogen-Gebraucher leben immer länger

Von Daniela Wehlend

Wissen

+++Substitution und Spritzentausch zeigen Wirkung . | Ganslwirt: Mehr Besucher über 45.


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Wien. Vergangenes Wochenende starben im Tiroler Wörgl drei Partygäste an überdosiertem Alkohol- und Drogenmix. Laut Landeskriminalamt hatten die Männer Heroin geschnupft. Das Besondere an dem Fall: Die Toten waren keine Jugendlichen, sondern zwischen 40 und 48 Jahre alt. Als "nicht überraschend", stuft der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel den Fall ein, denn: Das Durchschnittsalter der von illegalen Suchtmitteln abhängigen Österreicher steigt.

"Die Konsumentengeneration 40 plus hat aufgeholt", berichtet Uwe Hincziza, Leiter des Wiener Projekts "Streetwork", das mehrere mobile Beratungsstellen in der Stadt betreibt. So belief sich 2003 am Karlsplatz die Anzahl der täglichen Kontakte mit Suchtmittelkranken über 35 auf acht Prozent - 2005 waren es fast 20 Prozent.

Florian Winkler, Pressesprecher des "Fonds Soziales Wien", ergänzt: "Die Zahl der Drogentoten über vierzig ist seit Mitte der neunziger bis 2003 von drei Prozent auf über 15 Prozent angestiegen." Auch Peter Neubauer von der Drogenberatungsstelle "Ganslwirt" in Wien beobachtet Ähnliches: "Als wir 1990 anfingen, war die höchste Alterskategorie, die wir erhoben, 30 plus. Mittlerweile erheben wir eine eigene Kategorie der über 45-Jährigen."

Substitution greift bei älteren Abhängigen

Über die Gründe sind sich Drogenexperten einig. "Ersatzmittel-Therapien und Spritzentausch greifen", meint Winkler. Er schätzt die Anzahl substituierter Abhängiger in Wien auf über 6000. Dem Drogenbericht des Gesundheitsministeriums zufolge wurden 2003 rund 1,2 Millionen Spritzen in Wien getauscht und gekauft.

"Meist sind ältere Suchtkranke Langzeitkonsumenten und haben die Nase voll vom Beschaffungs-Stress und Kriminalität. Dann sprechen sie gut auf die Substitution an", so Winkler weiter. Laut Ganslwirt-Statistiker Neubauer steigt die Nachfrage zu Hilfsangeboten bei älteren Betroffenen am stärksten.