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Drum prüfe, wer Kredite vergibt

Von Mathias Ziegler

Wirtschaft

Kreditplattformen versprechen gute Zinsen - in Österreich verboten.


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Wien. Richard hat Geld. Die Sparzinsen der Bank sind ihm zu niedrig. Petra braucht Geld. Die Kreditzinsen der Bank - wenn sie überhaupt einen Kredit bekommt - sind ihr zu hoch. Zum Glück gibt’s Auxmoney. Dort trifft Richard auf Petra. Er borgt ihr Geld zu Zinsen, die für sie nicht zu hoch und für ihn nicht zu niedrig sind. So jedenfalls stellt es Auxmoney auf ihrer Website dar.

Doch hält die deutsche Kreditplattform in echt, was das Werbevideo verspricht? Ja, wenn alle die Spielregeln einhalten. Nur gibt es keine volle Garantie dafür. Zwar verspricht die Plattform, dass bei einem Ausfall durch den Schuldner die Bank einspringt, und engagiert notfalls ein Inkassounternehmen (das Auxmoney bezahlt), doch wenn nichts zu holen ist, geht der Anleger trotzdem leer aus. Andere Plattformen, zum Beispiel Smava, verteilen das Risiko des Kreditausfalls auf die Gemeinschaft. Entsprechend den Bonitätsklassen werden die Anleger in Pools zusammengefasst.

Ausfallquote je nach Plattform 3,5 bis 5 Prozent

Dass tatsächlich nicht immer alles reibungslos verläuft, belegen die nackten Zahlen: Die Ausfallquote wird bei Auxmoney mit 3,5 Prozent beziffert, bei Smava mit 5 Prozent. Schon aus Selbstschutz empfiehlt es sich deshalb, Kreditinvestitionen möglichst breit zu streuen. Beteiligungen ab 50 Euro sind möglich, da aber 1 Prozent oder mindestens 1 Euro an Provision anfällt, setzen viele Anleger 100 Euro pro Kreditprojekt. Hat ein Projekt genügend Anleger, wird der Kredit schlagend.

Man kann das Risiko auch anhand der Rückzahlungsraten und der angebotenen Zinssätze abwägen: Kann sich ein Kreditnehmer eher 50 oder 500 Euro als Monatsrate leisten? Wie verzweifelt braucht er Geld, wenn er 6 oder 12 Prozent Zinsen bietet?

Leider prüft Auxmoney die Bonität der Kreditnehmer nicht automatisch. Stattdessen können diese Zertifikate kaufen, die ihre Schufa-Einstufung, den Arvato-Infoscore oder eine Kfz-Besicherung belegen. Nur 20 Prozent der Projekte werden tatsächlich realisiert, dafür gibt es fast nichts, wofür man nicht einen Kredit beantragen kann. Bei Smava hingegen werden etwa 96 der Projekte tatsächlich finanziert. Identität und Bonität werden dort mittels Schufa-Auskunft und Einkommensnachweisen vorab geprüft und dann die Anleger in acht Bonitätsklassen eingeordnet.

Wer Kredite vergibt, muss die Zinsen übrigens versteuern, und zwar in Österreich als Kapitaleinkunft (25 Prozent KESt) im Zuge der Arbeitnehmerveranlagung.

Konsumentenschützersind eher skeptisch

Warum es die Plattformen in Österreich nicht gibt? Hier ist die Kreditvergabe laut Finanzministerium "ein konzessionspflichtiger Tatbestand", somit sind private Vergaben nicht möglich. Dem Anbieter Bankless Life wurde 2009 der Geschäftsbetrieb untersagt, es kam zum Prozess wegen Betrugs- und Untreueverdachts. 2012 verhängte die Finanzmarktaufsicht Sanktionen gegen die Vermittlungs-Büro-Steiner-Gesellschaft.

Entsprechend skeptisch sind die Konsumentenschützer. Intensiv mit dem Thema Crowdfunding - so nennt man das Geschäftsmodell - befasst sich die Arbeiterkammer. Sie untersucht gerade diverse Plattformen auf Vor- und Nachteile, Risiken, Kosten, Rücktrittsrechte, Bonitätsprüfung etc.

Eines muss jedem Anleger auf jeden Fall bewusst sein: Höhere Erträge bedeuten immer auch ein höheres Risiko.