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Durststrecke für EU-Landwirtschaft

Von Victoria Frühwirth

Wirtschaft

Etwa die Hälfte der EU-Fläche ist von Dürre bedroht. Heuer könnte die Ernte besonders mager ausfallen.


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Staubtrockene, harte Böden, vertrocknete Sonnenblumen, leere Wasserspeicher - die Dürre hat Europas Landschaften und Äcker fest im Griff. Deshalb soll die Ernte heuer besonders mager ausfallen, denn Hitze und Trockenheit drücken die Erträge. Bauern kämpfen mit niedrigen Produktionsmengen und steigenden Produktionskosten. Einem Bericht des Forschungszentrums der EU-Kommission zufolge herrscht auf 46 Prozent des EU-Gebiets - also Äcker, Wälder, Städte - Dürre-Risiko. Ein Alarmzustand für Ernte und Vegetation herrscht in elf Prozent des Gebiets. Grund sei ein Regenmangel.

Der fehlende Niederschlag zwischen Winter und Frühling hatte Auswirkungen auf den Wassergehalt des Bodens. Pflanzen im italienischen Tiefland und in Portugal mühten sich mit der Wassergewinnung aus dem Erdreich ab, ebenso in Süd- Mittel- und Westfrankreich sowie Mitteldeutschland. Jetzt werden die ersten Folgen sichtbar: Bis Mitte Juni verbrannten 73.000 Hektar Erde in Spanien. Die französische Regierung setzte wegen der schwersten Dürre in der Landesgeschichte sogar einen Krisenstab ein. Angaben des französischen Wetterdienstes Meteo France zufolge fielen in Frankreich nur 9,7 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Das seien laut Umweltministerium nur 12 Prozent der benötigten Niederschlagsmengen. Die Weizenproduktion soll um 7,2 Prozent sinken, das langjährige Mittel der Gerste werde laut Prognosen um 5 Prozent unterschritten.

Statt der üblichen 20 Millionen Tonnen Getreide jährlich sollen es dieses Jahr in Spanien nur 17 bis 18 Millionen Tonnen werden, so Landwirtschaftsminister Luis Planas im "Handelsblatt". Noch schlimmer treffe es die spanische Olivenernte, die auf unbewässerten Flächen weniger als 20 Prozent des Durchschnitts der vergangenen fünf Jahre betragen würde, so Juan Carlos Hervas von der Bauerngewerkschaft COAG gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Produktionskosten steigen

Die globale Inflation lässt auch Österreich nicht unberührt. Hierzulande stieg der Düngemittelpreis seit dem Vorjahr um 115 Prozent und auch die Dieselpreise schossen um 72 Prozent in die Höhe. Für Erntehelfer gingen die Lohnkosten um ein Fünftel hinauf. Steigen die Produktionskosten, steigen auch die Preise. Dadurch weichen Käufer auf ausländische Waren aus, die billiger hergestellt wurden.

Fritz Rauer, Obmann der steirischen Gemüsebauern, sprach vor kurzem mit der Austria Presse Agentur (APA). Sein Appell an Konsumenten: "Unsere steirischen Produkte haben kurze Transportwege, das bedeutet weniger CO2 und mehr Inhaltsstoffe und wenn wir regional einkaufen, hat das für uns alle einen positiven Effekt."

Österreichs Ernten gesichert

Die vergangenen Jahre waren gezeichnet von Trockenheit in den Sommermonaten. Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, spricht von einem herausfordernden Sommer. Das trockene Wetter hätte besonders Sonnenblume, Zuckerrübe und Mais geschadet. Gedüngt wurde dieses Jahr aus Kostengründen weniger, jedoch haben Bauern andere Wege gefunden, sich an den Klimawandel anzupassen und der Hitze zu trotzen. "Die Landwirte kümmern sich heuer stark um die Feldbearbeitung und sie verwenden grüne Bedeckungen, sodass der Boden feucht bleibt. Außerdem schaut man in der Forschung und Züchtung, welche Pflanzen den Hitzestress gut aushalten", sagt Moosbrugger.

Der Chef des "AgrarMarkt Austria" (AMA) Günter Griesmayr gab am Freitag einen Überblick über die österreichische Getreideernte. Die guten Wetterverhältnisse im Mai und Juni konnten die Hitzetage im Juli großteils ausgleichen. Durch die Juli-Trockenheit konnte die Getreideernte bereits zehn Tage früher als üblich in Angriff genommen werden. Während die Landwirte um 9,3 Prozent mehr Weizen und um 9,7 Prozent mehr Roggen als im Vorjahr produzierten, werden die am Feld stehenden Mais Einbußen vom AMA mit 280 Tonnen beziffert.

Zum Thema Weizenqualität äußert sich Ernst Karpfinger, Vorsitzender des AMA-Fachbeirates für Getreide, so: "Es gibt das Hektolitergewicht, das ist die Dichte des Korns und das Protein, das ist der Gratmesser für die Backqualitäten. Wenn die Qualität passt, dann passt sie meist auf all diesen Parametern, und das war heuer der Fall."

Versorgung dennoch sicher

Wieviel Gewinn die Landwirte heuer auf dem Feld erzielen, lässt sich noch nicht sagen. Nur wenige haben bereits ihr Korn verkauft und ihre Hoffnung ist, dass der Verkaufspreis auf einem höheren Niveau als im Vorjahr bleibt - nachdem die Produktionskosten ebenfalls in die Höhe kletterten. Der Umstieg zur Sojabohne steht bevor, denn diese braucht deutlich weniger Dünger.

Die Getreideproduktion der Europäischen Union ist laut AMA von etwa 294 Millionen Tonnen Getreide auf 278,5 Millionen Tonnen gesunken. Das ist ein Minus von 5,2 Prozent. Die Menge des europäischen Weizens sank laut Christian Gessel von der AMA auch um 4,9 Prozent und 6,8 Millionen Tonnen. Die Getreideversorgung in Europa sei laut Gessel dennoch gesichert. Laut Prognosen können Staaten mit erfolgreicher Ernte auch Defizitgebiete in der EU beliefern.