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Düstere Arbeitslosenzahlen sind in den USA und Europa zwei paar Schuh

Von Claudia Peintner

Analysen

Die Nachricht war ein Faustschlag auf das Auge vieler Ökonomen: Einige hatten nur mehr mit einem leichten Anstieg der US-Arbeitslosenzahlen im Dezember gerechnet, die anderen gar mit einem Beschäftigungsaufbau. Nun zeigt der aktuelle Arbeitsmarktbericht: Trotz der wirtschaftlichen Erholung hat sich der Stellenrückgang in den USA am Jahresende überraschend fortgesetzt. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 10 Prozent, 85.000 Jobs gingen verloren. Ein bitterer Rückschlag?


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Nicht, wenn man einen Blick auf die Daten der Vormonate wirft. Im Juli verloren noch 304.000 Menschen in der weltgrößten Volkswirtschaft ihren Arbeitsplatz, im September 134.000. Der Trend führt eindeutig in Richtung Erholung, wenn auch zu einer langsameren als nach der New-Economy-Krise von 2001 oder der Weltwirtschaftskrise von 1991.

Dass die Arbeitslosenzahlen in den USA freilich noch immer exorbitant hoch liegen, hängt nicht nur mit der Wirtschaftskrise zusammen. Die Daten sind bezeichnend für einen wirtschaftlichen Wandel, aber auch für die Eigenheiten des amerikanischen Arbeitsmarktsystems.

Während der Stellenabbau im Dezember vor allem in der Industrie und im Bausektor erfolgte, kamen im Bildungs- und Gesundheitsbereich sowie bei unternehmensnahen Dienstleistern neue Stellen hinzu. Wirtschaftsexperten sehen darin bestätigt, dass sich die Jobs der Zukunft verstärkt von der Industrie auf die Dienstleistungsebene verlagern.

Im Gegensatz zu Europa fielen in den USA darüber hinaus viel eher künstlich aufrechterhaltene Jobs in nicht mehr wettbewerbsfähigen Unternehmen weg. Der Grund: Viele Mitarbeiter besitzen keinen Kündigungsschutz, eine Kündigung ist auch ohne Berücksichtigung von Gründen oder Fristen möglich. Chefs nehmen da schnell das Entlassungsschreiben zur Hand, wenn die Aufträge aus bleiben.

Die Kündigungen mit Kurzarbeit abzufedern, ist im Land der McJobs und Zweitjobs derzeit keine Option. Statt in den Arbeitsmarkt zu investieren, versuchen Politiker über eine expansive Geldpolitik die Wirtschaftskrise zu überwinden. Mit der Hoffnung: Springt der Konjunkturmotor wieder an, heuern die Betriebe auch wieder neue Mitarbeiter an.

Obamas jüngste Ansage, mit Investitionen in erneuerbare Energie Jobs zu schaffen, ist in diesem Zusammenhang lediglich ein Versuch, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen - von Klimazielen bis hin zur Unabhängigkeit von teuren Energieimporten. In Anbetracht von über 15 Millionen Amerikanern ohne Stelle können damit jedoch keine Wunder bewirkt werden.

Dabei ist eine Wende am US-Arbeitsmarkt dringend nötig. Die anhaltende Jobkrise könnte die amerikanische Notenbank dazu veranlassen, ihre Nullzinspolitik nicht wie erwartet ab Sommer zu beenden. Der Dollar gerät weiter unter Druck. Auch das riesige Haushaltsdefizit lässt sich nicht unter Kontrolle bekommen, wenn die Beitragszahler ausbleiben.

Siehe auch:USA: Arbeitsmarkt bleibt das Sorgenkind von Obama