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Edith Windsor gegen die USA

Von Alexander U. Mathé

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Eine 83-Jährige kämpft vor dem Supreme Court gegen ein Gesetz, das die Homo-Ehe verbietet.


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Edith Windsor könnte es in die Annalen der amerikanischen Rechtsgeschichte schaffen. Noch heute ist in den USA der Fall "Roe gegen Wade" Synonym für die Legalisierung der Abtreibung, die der Oberste Gerichtshof in einer Grundsatzentscheidung befürwortete. Eine ähnliche Bedeutung bei der Gleichstellung homosexueller Paare mit heterosexuellen könnte "Die Vereinigten Staaten gegen Windsor" erlangen.

Die 83-jährige Windsor hat Klage eingebracht, weil sie sich nach dem Tod ihrer Ehefrau, Thea Spyer, mit einer Forderung der Bundesbehörden in Höhe von 363.053 Dollar an Erbschaftssteuer konfrontiert sah, die von (heterosexuellen) Ehepartnern nicht zu entrichten ist. Das Amt berief sich in der Begründung auf das "Gesetz zur Verteidigung der Ehe", das 1996 von US-Präsident Bill Clinton verabschiedet wurde. Das Gesetz definiert die Ehe als "Bund zwischen einem Mann und einer Frau", beziehungsweise einen Ehepartner als "Person des anderen Geschlechts". Da dies auf das Ehepaar Windsor-Spyer nicht zutreffe, sei die Steuer zu entrichten. Das - so argumentiert Windsor - verstoße allerdings gegen das in der Verfassung verankerte Diskriminierungsverbot. Gibt das Oberste Gericht Windsor recht, ist die bundesgesetzliche Definition der Ehe als heterosexueller Bund Geschichte.

Dass ausgerechnet Windsor zur Speerspitze der Bewegung für Homosexuellenrechte geworden ist, dürfte nicht zuletzt an ihrem Charisma liegen, an ihrem sympathischen Wesen und der profunden Beziehung zu ihrer Frau.

Jung verheiratet, kam Edith schon bald drauf, dass die Beziehung zu einem Mann nichts für sie war. Sie ließ sich scheiden und ging an einen Ort, wo sie sich sicher war, mit ihrer Orientierung keine Probleme zu haben: New York. Dort schaffte es das Mathematikgenie als eine der wenigen Frauen auf dem Gebiet überhaupt zur Chefprogrammiererin bei IBM. In New York lernte sie auch Thea Spyer kennen, mit der sie mehr als vierzig Jahre lang verlobt war. Die beiden hofften, dass New York eines Tages die Homo-Ehe erlauben würde. Doch die Zeit lief für Thea, die an multipler Sklerose litt, ab. So heirateten die beiden 2007 in Kanada. Zwei Jahre später starb Thea Spyer. Der Staat New York erlaubte zwar erst zwei Jahre später die Homo-Ehe, anerkannte aber bereits gleichgeschlechtliche Trauungen anderer Rechtssysteme.

Und so kämpft Windsor als in New York anerkannte Ehegattin vor Gericht gegen die ihr per Bundesgesetz aufgebrummte Steuer. "Es ist schon fast eine irrsinnig erfreuliche Sache für eine alte Dame", sagte Windsor aufgeregt in einem Interview. Nächsten Monat kommt es zur Anhörung.