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Eiertanz um das Image der Lehre

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Kanzler will Sozialpartner-Forderungen umsetzen. | Wien. "Man kann nicht auf ein mangelhaftes Produkt ein gutes Image draufpicken." Derart selbstkritisch hatte sich Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl vor wenigen Tagen gegenüber Journalisten zu den Problemen der Lehrausbildung geäußert. Davon ließen sich die Vertreter der Bundesregierung am Freitag - dem ersten "Tag der Lehre" - jedoch nicht die Stimmung verderben.


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Christine Marek (ÖVP), Staatssekretärin für Arbeit, sieht den Lehrstellenmarkt "in absolut positiver Bewegung". Dies sei die beste Voraussetzung für eine Hebung des Images der Lehre, was in weiterer Folge leistungsstarke Jugendliche für eine betriebliche Ausbildung begeistern soll. Österreichweit habe sich, so Marek, die Lehrstellenlücke - mit nunmehr 2164 vergeblich nach einer Lehrstelle Suchenden - seit September 2003 halbiert. In vier Bundesländern gebe es einen Lehrstellenüberhang. Was Marek nicht erwähnt, sind jene knapp 6000 Jugendlichen, die sich Ende September im sogenannten "Auffangnetz" des Arbeitsmarktservice (AMS) befunden haben. AMS-Sprecherin Beate Sprenger weist gegenüber der "Wiener Zeitung" zwar darauf hin, dass zwei Drittel der Jugendlichen, die in diesen neunmonatigen Kursen eine Lehre beginnen, später einen Platz in einem Betrieb finden würden. Die anderen müssen allerdings die komplette Ausbildung im Rahmen solcher Lehrgänge absolvieren.

Auffangnetz notwendig

Auch in den Bundesländern mit statistischem Lehrstellenüberhang wird dieses Auffangnetz benötigt, da dort vor allem einzelne Branchen für das hohe Lehrstellenangebot sorgen. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) möchte die kürzlich vorgelegten Forderungen der Sozialpartner zur Lehrlingsausbildung umsetzen. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) wirft der Industrie vor, "Nachholbedarf" zu haben. Allerdings wollen laut Umfrage der Industriellenvereinigung 42 Prozent der Industriebetriebe mehr Lehrlinge ausbilden.