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"Eigentlich ist es ja schon fertig"

Von Ina Weber

Politik

Startschuss für das neue Weltmuseum Wien in der Hofburg, das im Herbst 2017 eröffnet werden soll.


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Wien. ". . . jetzt muss es nur noch gebaut werden." Steven Engelsman, Direktor des Weltmuseums Wien versprühte gestern, Montag, Optimismus. Das neue Weltmuseum Wien sei nun komplett auf Schiene gebracht, die Texte würden gerade geschrieben, die Restaurierungen durchgeführt und es gehe sich alles genau innerhalb des Budgetrahmens aus, spielte er auf die mühsamen Jahre, die das ehemalige Völkerkundemuseum hinter sich gebracht hat, an.

Ein Rückblick: Das Museum für Völkerkunde, das 1928 eröffnet wurde, wurde 2001 im Zuge der Ausgliederung der Bundesmuseen Teil des Museumsverbandes "Kunsthistorisches Museum (KHM) mit Museum für Völkerkunde und Österreichisches Theatermuseum". Seitdem ist es von Sanierungen und geschlossenen Sälen überschattet. Seit 2004 ist das Museum geschlossen und öffnete nur noch teilweise für große Ausstellungen. "Es blieben Säle leer und eine Neueröffnung wurde immer in die Zukunft verschoben", so Engelsman.

Die jüngsten Turbulenzen kamen im Jahr 2014 auf das Museum zu. Die Umwandlung in ein neues Weltmuseum samt Umsetzung war schon beschlossene Sache, da kündigte Kulturminister Josef Ostermayer eine Redimensionierung an. Denn ein ebenfalls sehr lange aufgehobenes Projekt sollte auch noch hinein: das Haus der Geschichte.

Dauerausstellung im Mezzanin

War man gerade mit allem fertig geworden, musste auch schon wieder alles umgestaltet werden. 15 Prozent der Fläche wurde reduziert, 30 Prozent des Budgets gekürzt. Kein Restaurant mehr, kein Kindermuseum, kein Korridor des Staunens - dem Museum blieben 3900 Quadratmeter und rund 16,7 Millionen Euro.

Doch Engelsman ließ sich nicht beirren. "Wir schauen lieber auf das, was wir tun können", sagte er. Auf zwei Stockwerken werden 3127 Objekte in einer Dauerausstellung präsentiert. Die Dauerausstellung umfasst 2500 Quadratmeter im Mezzanin und zeigt die Sammlung in 14 Sälen. Im Erdgeschoß befinden sich ein Museumsshop, ein Café und zum ersten Mal wird die Säulenhalle ohne Ticket zu betreten sein. Rund um die Säulenhalle liegen 1400 Quadratmeter neu hergerichtete Sonderausstellungsfläche, die jedoch nicht nur vom Weltmuseum, sondern auch vom KHM oder Theatermuseum bespielt werden soll.

Das Ausstellungskonzept wurde in den vergangenen zwei Jahren von der Arbeitsgemeinschaft Hoskins Architects und Ralph Appelbaum Associates entworfen. Die Architekten mussten in ständigem Kontakt mit dem Bundesdenkmalamt arbeiten. "Wir wollten vor allem die Sichtbarkeit des Museums erhöhen", sagte Architekt Thomas Bernatzky. Das Museum befände sich eigentlich in einer Traumlage, sei aber doch irgendwie im Eck. So wurde vor allem der Eingangsplatz neu gestaltet. Ein Kubus am Vorplatz wird errichtet. Er soll Projektionsfläche für das Museum sein, aber auch als Schanigarten für das Museumscafé im Sommer, als Sommerkino oder Bühne dienen.

"Kulturkampf in Wien"

Die Dauerausstellung soll nicht linear geführt werden, sondern von vielen Seiten begehbar sein. Das Konzept sieht vor, dass in jedem Saal ein Highlight-Exponat der Sammlung steht, dem diskursive Räume entgegengesetzt werden, deren Inhalte in erster Linie über interaktive Medien und Grafik vermittelt werden. So steht im Saal "1873 - Japan kommt nach Europa" das Modell einer Daimyo-Residenz im Zentrum. Es ist 15 Quadratmeter groß und wurde im Jahr 1873 anlässlich der Weltausstellung nach Wien gebracht. Demgegenüber wird in den flankierenden historischen Vitrinen die japanische Kultur in Österreich gegenübergestellt.

Die Säle heißen "Kulturkampf in Wien", "Ein Dorf in den Bergen", "Südsee - Traum und Wirklichkeit" oder "Der Orient vor der Haustür". "Wir wollen neue Sichtweisen entwickeln", sagte Sabine Haag, Direktorin des KHM anlässlich eines symbolischen Spatenstichs. In einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft sei es besonders wichtig, Grenzen zu verwischen. Das Weltmuseum soll einen Beitrag gegen die Xenophobie leisten, so Museumsdirektor Engelsman.

Federschmuck, Benin-Bronze

Das Weltmuseum Wien lagert internationale Kulturschätze, die in den vergangenen 500 Jahren aus der ganzen Welt zusammengetragen wurden. Die Sammlung umfasst 200.000 ethnografische Gegenstände, 100.000 historische Fotografien und 146.000 Druckwerke. Weltbekannte Stücke sind unter anderen der mexikanische Federkopfschmuck der Azteken aus dem frühen 16. Jahrhundert, die Benin-Bronze-Köpfe, die Captain-Cook-Sammlung mit einzigartigem Federschmuck aus dem Pazifik. "Die gibt es nur in Wien, alle anderen sind spätere", so Engelsman. Damit zählt das Weltmuseum Wien zu den bedeutendsten ethnologischen Museen der Welt.

Es sei kein ganz einfaches Projekt aus bautechnischer Sicht, sagte Kulturminister Josef Ostermayer. Er betonte, dass "das Weltmuseum die größte Umgestaltung seit 1928 erfährt" und 2017 mit einem "neuen, zeitgemäßen Museumskonzept" eröffnen wird. Damit das gelinge, würden das Bundeskanzleramt und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner 16,7 Millionen Euro investieren.

Museumszentrum

Der Kulturminister verwies auf die Neugestaltung der Hofburg insgesamt. Damit würde auch "ein riesiger Schritt zur Neugestaltung der Hofburg und des Museumszentrums gesetzt werden, das wir mitten in Wien haben". Dieses Zentrum umfasst beispielsweise die Nationalbibliothek, das künftige Haus der Geschichte, das Ephesos Museum, die Sammlung Alter Musikinstrumente und die Hofjagd- und Rüstkammer. Dass mitten im Umbau das Original so weit wie möglich erhalten bleibe, war ein Anliegen von Burghauptmann Reinhold Sahl. "Was einmal weg ist, kommt nicht wieder."

www.weltmuseumwien.at