Zum Hauptinhalt springen

Ein Abend mit Ö1

Von István Orbán

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 19 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Erst wird eine Stunde hindurch des langen und breiten über "Amore, amore" gesungen, und das auch noch barock. Dann stochert eine weitere knappe Stunde lang eine Wiener Kriminalkommissarin mit merkwürdigem Geschmack (sie bestellt im Gasthaus Marillenknödel mit Gurkensalat!) im tatsächlichen und auch bildlichen Sumpf eines oberösterreichischen Provinzstädtchens. Dabei fördert sie allerlei Obskures zutage, vom geilen, schwarze Messen zelebrierenden, inzestuösen und sich geißelnden Pfarrer über verdrängte Nazi-Vergangenheit bis hin zur Frauenleiche.

In der halben Stunde danach swingt, angeleitet von einem Count am Klavier, eine Bigband fröhlich vor sich hin. In der letzten Stunde dann gibt es zuerst ein Gespräch mit einem zeitgenössischen Komponisten, dann Beispiele seiner spröden Musik. Und dazwischen wird diskutiert, wer das alles, weil doch Kunst und also Luxus, bezahlen soll. - Die Rede ist von Radio Ö1 am Dienstagabend: "Alte Musik - Neu interpretiert, "Hörspiel-Studio", "Jazztime", "Zeit-Ton". Und "Radiokolleg", mit der Diskussion, ob uns Kultur der öffentlichen Subventionierung wert ist/sein soll.

Also: ich bin unbedingt dafür, und für Ö1 sowieso! Weil ich möchte, dass Hörspiele Schriftstellern auch weiterhin Honorare (wenn auch weniger als früher!) bringen sollen und uns Hör-Vergnügen; weil ich möchte, dass auch alte und neue Musik weitere Verbreitung finden; und weil ich überhaupt will, dass das Angebot vielfältig und differenziert bleibt. Amen!