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Ein Banken-Flaggschiff, das hohe Wellen schlägt

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

UBS ging 1998 aus Elefantenhochzeit in der Schweiz hervor. | Skandale rund um NS-Zeit, Diktatoren und Finanzpleiten. | Institut schwer von Krise getroffen. | Zürich/Wien. Auch wenn sich die Schweiz als Finanzplatz gerne diskret gibt: Ihre Banken-Flaggschiffe - allen voran die in Zürich beheimatete UBS - schlagen oft genug hohe Wellen. Tatsächlich hat das Institut, das in seiner heutigen Form gerade einmal elf Jahre alt ist, in der Vergangenheit kaum eine Untiefe des Finanzgeschäfts ausgelassen.


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Als Mitte 1998 die UBS aus der Elefantenhochzeit von Schweizerischer Bankgesellschaft (Union de Banques Suisses) und Schweizerischem Bankverein hervorging, war mit einem Schlag ein Weltkonzern geschaffen. Das neue Institut belegte gemessen an der Bilanzsumme international Rang zwei. Im Geschäft mit vermögenden Privatkunden stiegen die Schweizer sogar zur Nummer eins auf. Allerdings sollte das Image der UBS über die Jahre tiefe Kratzer abbekommen.

Heikle Vergangenheit

Zunächst wurde die Bank - wie einige ihrer eidgenössischen Konkurrenten - von den Schatten der Vergangenheit eingeholt. Im Rahmen von Sammelklagen in den USA wurde UBS und Credit Suisse vorgeworfen, sich am Geld von Holocaust-Opfern bereichert zu haben. 1998 erklärten sich die Institute bereit, die Angelegenheit mit Entschädigungszahlungen in Milliarden-Dollar-Höhe zu bereinigen. Schlüsselfigur in den Verfahren war ein ehemaliger UBS-Wachmann, der belastende Akten vor der Vernichtung bewahrt und weitergegeben hatte.

Doch nicht nur ihr Verhalten in der Nazi-Zeit sollte der UBS heftige Kritik einbringen. Auch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg pflegten die Vorgänger-Institute der Bank geheime Geschäfte mit umstrittenen Regimen.

So bunkerte etwa der philippinische Diktator Ferdinand Marcos Vermögen im Ausmaß von mehreren hundert Millionen Dollar in der Schweiz. Vorwürfe der Geldwäsche sorgten über viele Jahre für Aufregung. Auch bei der UBS soll der Marcos-Clan über Konten verfügt haben. Ein weiterer Kunde der UBS war der nigerianische Diktator Sani Abacha. Im Jahr 2000 wurden laut Nachrichtenagentur Reuters bei 19 Schweizer Banken rund 660 Millionen Dollar entdeckt, die Abachas Söhne ins Land gebracht hatten. Die UBS brauchte bis 2002, um ihre Verwicklung offenzulegen.

Schrumpfkur bis 2010

Doch nicht nur Verstrickungen mit wenig salonfähigen Machthabern bereiteten der Bank Sorgen. Auch beim Zusammenbruch des Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM) im Herbst 1998 geriet die UBS tief in die Bredouille: Wegen LTCM verlor das Institut rund eine Milliarde Schweizer Franken. Dies sollte allerdings nur ein kleiner Vorgeschmack auf die aktuelle Finanzkrise sein.

Die Bank hat sich massiv auf dem US-Hypothekenmarkt verspekuliert. 2008 und 2009 musste die UBS problematische Wertpapiere im Ausmaß von insgesamt 54 Milliarden Dollar abschreiben. Im Vorjahr verbuchte das Institut mit einem Minus von 21 Milliarden Franken den höchsten Verlust der Schweizer Firmengeschichte, und im zweiten Vierteljahr 2009 fuhr die UBS den siebenten Quartalsverlust innerhalb von zwei Jahren ein.

Nachdem zunächst der Staatsfonds von Singapur im Februar 2008 der Bank eine Kapitalspritze im Ausmaß von 13 Milliarden Franken verpasst hatte, mussten im Oktober der Schweizer Staat und die Schweizerische Nationalbank einspringen. Ersterer schoss der UBS sechs Milliarden Franken zu, zweitere übernahm faule Wertpapiere im Ausmaß von rund

39 Milliarden Dollar.

Als Reaktion auf die Krise hat sich die UBS nun eine Schrumpfkur verordnet. Bis 2010 wird die Mitarbeiterzahl auf 67.500 reduziert - von 84.000 im Frühjahr 2008.