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Ein Ende in Harmonie

Von Thomas Seifert aus Prag

Politik
Zeman und Van der Bellen in der Prager Burg.
© HBF / Peter Lechner

Beim letzten Besuch Van der Bellens bei seinem tschechischen Amtskollegen Zeman wird perfekte Eintracht zelebriert.


Prag. Bundespräsident Alexander Van der Bellen kommt mit der Bahn nach Prag, was vom Tschechischen Staatsfernsehen extra erwähnt wird. Kein Wunder, heißt es, sei er doch Kandidat der Grünen gewesen. Van der Bellen kommt auf Einladung seines tschechischen Amtskollegen Milos Zeman. Einst hat dieser Van der Bellen als "Grünen Fanatiker" und "Willkommensklatscher von Migranten" bezeichnet.

Und auch die Haltung zur Kernkraft spaltet. Zemans Liebe zur Atomenergie ist so groß wie Van der Bellens Abneigung dagegen. Zeman war innerhalb der Gruppe der EU-Staatsoberhäupter weit rechts zu finden und fiel immer wieder durch markige Sager auf. Immerhin: Beide würde einen, dass sie Kette rauchen, hat Zeman bei einem früheren Besuch Van der Bellens angemerkt.

Doch die Disharmonie der Vergangenheit will Zeman kurz vor dem Ende seiner Amtszeit am 8. März nun vergessen machen. Van der Bellen bekommt bei seiner Abschiedsvisite den Orden des Weißen Löwen verliehen, den höchsten Orden, den die Tschechische Republik zu vergeben hat.

"Dass Zeman kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt einen seiner größten ideologischen Gegner ehrt, verleiht Zemans Abgang als Präsident ein Stück Menschlichkeit und vielleicht Größe. Schade nur, dass sich der tschechische Präsident gegenüber seinen ideologischen Gegnern in Tschechien nicht ähnlich verhalten hat", kommentierte Marek Kerles von der News-Plattform Info.cz. Van der Bellen revanchiert sich: Zeman bekommt im Gegenzug den Groß-Stern.

Im Burghof der Prager Burg am Hradschin geht dann das protokollarische Ritual über die Bühne: Antreten der Garde, Abspielen der Hymnen beider Länder, Abschreiten der Ehrenkompanie. Van der Bellen begrüßt die Truppe auf Tschechisch: "Vojazi nazdar - Soldaten, seid gegrüßt!"

Nach der Unterredung der beiden Präsidenten im Habsburgersalon stellen sich die Politiker den Fragen der Journalisten: In Sachen Atomkraft - Dukovany und Temelín sind in Österreich Reizworte - ist man sich einig, dass man da uneinig ist. Zum Infrastrukturausbau betonen beide Seiten, dass die Verkehrsachsen zwischen Prag und Wien sowie zwischen Brünn und Linz weiter ausgebaut werden müssen, in der Frage des Ukraine-Konflikts betont man Einigkeit.

Van der Bellen unterstreicht die Bedeutung Tschechiens für Österreichs Wirtschaft - immerhin ist das Land der fünftwichtigste Handelspartner Österreichs und der wichtigste Handelspartner in Mittel-Osteuropa. Direktinvestitionen: 17 Milliarden Euro. 100.000 Jobs seien von österreichischen Unternehmen geschaffen worden, Gäste aus Tschechien spielen eine bedeutsame Rolle für den österreichischen Tourismus.

Beim gemeinsamen Essen nach der Pressekonferenz sagt Zeman: "In einer Welt voll Feinden sind Freunde wichtig. Es gibt mehrere Kategorien von Freunden. Parteifreunde, Geschäftsfreunde und echte Freunde. Die ersten beiden sind meistens Verräter. Ich freue mich, dass Van der Bellen zu den echten Freunden zählt."

Ein harmonischer Abschied.