Zum Hauptinhalt springen

Ein fauler Zauber namens Nudging

Von Edwin Baumgartner

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 5 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Radieschen zu Mäusen geschnitzt, überhaupt das ganze Gemüsige besonders schön hergerichtet und nach vorne gestellt, die Teller klein, damit die Hunger-Portionen nach Üppigkeit aussehen: So macht man Lust auf gesundes Essen. Das erforschte der Ernährungsspezialist Brian Wansink von der Cornell University. Nudging, das Anstupsen in die richtige Richtung, ist so in aller Munde, wie es die Karotte anstelle der Pommes sein sollte. Und jetzt?

Jetzt war Brian Wansink Ernährungsspezialist an der Cornell University. Der Vorwurf lautet, er habe unwissenschaftlich gearbeitet, unlautere Methoden angewendet und Statistiken eigenwillig interpretiert.

Das ganze Nudging - nur fauler Zauber? Ganz im Ernst: Hat wirklich schon einmal jemand Radieschen gegessen, weil sie geschnitzt waren? Oder zu den Melonenscheiben gegriffen, weil sie auf dem Buffet leichter erreichbar waren als die Teller mit der Crème Caramel?

Auf anderen Gebieten freilich scheint die Nudgerei zu funktionieren, etwa bei den Selbstbedienungskassen im Supermarkt, die mittlerweile regen Zuspruch finden. Wenn man freilich die Wahl hat, sich bei den normalen Kassen in einer durchs halbe Geschäft reichenden Schlange anzustellen oder bei den Arbeitsplatzvernichtungskassen gleich dranzukommen, braucht man keine Wissenschaft: Da reicht der ganz normale Verstand, um zu wissen, was die meisten vorziehen. Justament sollte man das Nudging freilich auch und gerade hier umso mehr unterlaufen.