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Ein "Friedensgeneral" für Peru

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Paris/Lima - Die Nachricht von seiner Bestellung zum neuen peruanischen Regierungschef traf den in Paris lebenden ehemaligen UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar völlig überraschend. Bis Freitag will er in seine Heimat Peru zurückkehren um gemeinsam mit dem neuen Präsidenten Valentin Paniagua ein neues Kabinett zusammenzustellen.


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Dass ihm bis zu den Neuwahlen im kommenden April die Aufgabe zufällt, die durch den vorgestern abgesetzten Präsidenten Alberto Fujimori herbeigeführte internationale Isolation seines Landes zu durchbrechen, mag dem 80-jährigen Diplomaten, der bei der Präsidentenwahl im Jahr 1995 als Kandidat der Konservativen Fujimori unterlegen ist, eine besondere Genugtuung sein.

Der am 19. Jänner 1920 in Lima geborene Perez de Cuellar, dessen erster Berufswunsch eigentlich Konzertpianist war, startete seine diplomatische Laufbahn 1944 und war u.a. Botschaftssekretär in Paris und London. 1946 war er Delegierter seines Landes bei der ersten UN-Generalversammlung, 1971 wurde er ständiger UN-Vertreter Perus, 1973 Mitglied des Sicherheitsrates, 1974 dessen Präsident.

Im Dezember 1981 wurde Perez de Cuellar als Kompromisskandidat einstimmig zum Nachfolger Kurt Waldheims als UN-Generalsekretär gewählt. Am Ende seiner ersten Amtszeit wollte er wegen des Scheiterns friedensstiftender Missionen in Zypern, den Falklandinseln, im Libanon und in Afghanistan eigentlich aufgeben, wurde aber dann doch für eine zweite Amtsperiode bestellt. Am Ende seiner zweiten Amtszeit wurde Perez de Cuellar von Ost und West bestätigt, als "Friedensgeneralsekretär" in die Geschichte einzugehen. In seine zweite Amtsperiode fielen das Ende des Kalten Krieges, der Waffenstillstand zwischen Irak und Iran, der Abzug der Sowjettruppen aus Afghanistan und eine Lösung des Namibia-Problems, sowie das Friedensabkommen zwischen den Bürgerkriegsparteien in Kambodscha. Seine schwerste Belastungsprobe war der Golfkrieg. Nur wenige Stunden vor seinem Amtsablauf konnte Perez noch einen Friedenskompromiss in El Salvador erreichen.