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Ein großer Schritt für die Koalition, aber ein kleiner Schritt für die Unis

Von Katharina Schmidt

Analysen

Das jahrelange Gerangel um den Uni-Zugang hat nun ein - vorläufiges - Ende gefunden. Mit dem Modell für eine neue Studieneingangsphase hat der Ministerrat am Dienstag zumindest die Richtung fixiert, in die es gehen soll. Und diese Richtung ist eine gemeinsame.


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Das ist insofern verwunderlich, als gerade beim Uni-Zugang (und natürlich bei der Frage der Studiengebühren) die ideologischen Gräben zwischen den beiden Koalitionspartnern tiefer kaum sein könnten. Dennoch hat sich die Regierung nun zu einem Kompromiss durchringen können: Die Studieneingangsphase wird verschärft, Knock-Out-Prüfungen gibt es trotzdem nicht (zumindest nicht offiziell), von einer zahlenmäßigen Beschränkung der überfüllten Massenstudien ganz zu schweigen. Damit weicht das Papier auch völlig von jenem ab, das Wissenschaftsministerin Beatrix Karl einst in Begutachtung geschickt hat. Sie wollte die Zahl der Anfänger-Studienplätze in den überlaufenen Fächern per Verordnung beschränken, was sowohl die Studenten, als auch die Rektoren - wenn auch aus verschiedenen Gründen - scharf kritisierten.

Dass davon jetzt so gar nicht mehr die Rede ist, kann einerseits ein Zeichen der neuen bildungspolitischen Milde der ÖVP (Stichwort: Neue Mittelschule) sein, andererseits aber Ausdruck einer Ruhe vor dem Sturm. Denn eigentlich fordert Karl sehr wohl eine Platzbeschränkung im Zusammenhang mit der ab 2013/14 geplanten Studienplatzfinanzierung. Dass das sinnvoll wäre, wenn man nicht unendlich viel Geld in die Unis pumpen will, weiß auch die SPÖ. Nur, dass sie sich das bisher nicht zu sagen getraut hat. Ein kleiner Satz von Unterrichtsministerin Claudia Schmied am Dienstag ließ denn aber aufhorchen: "Eine Studienplatzfinanzierung braucht ein Mengengerüst." Damit ist Schmied einen großen Schritt auf ihre ÖVP-Spiegelministerin zugegangen.

Ausdruck einer neuen Sachlichkeit (immerhin hat die Regierung ja 2011 zum Jahr der Bildung erklärt) ist die Neuregelung des Uni-Zugangs also allemal. Besonders mutig ist sie aber nicht. Denn wer kann schon gegen den Ausbau der Studienberatung sein, wie es das Papier ebenfalls vorsieht? Und was ist gegen eine Voranmeldung per Internet einzuwenden? Die reduzierte Zahl an Prüfungswiederholungen in der Studieneingangsphase sorgt freilich für Ärger bei der Hochschülerschaft. Dass diese sich berufsmäßig über solche Neuerungen aufregt, ist aber ebenso klar wie die Tatsache, dass es für die Studenten viel schlimmer hätte kommen können.

Ob dieser vorsichtigen Vorgehensweise der Regierung drängt sich auch die Frage auf, ob die Neuregelung den Unis tatsächlich einen Nutzen bringen wird. Dass es sich nur um eine Übergangsregelung handelt, hat die Regierung ohnehin schon zugegeben.