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Ein Institut wächst und gedeiht

Von Susanne Veil

Wissen
Mit dem Lab Building West setzt das IST Austria weiter auch gebäudetechnisch auf Wachstum.
© IST

Das IST Austria eröffnete am Dienstag ein weiteres Laborgebäude.


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Maria Gugging. Mit viel Geld kommt auch viel Rechtfertigung. So präsentiert das Institute of Science and Technology (IST) in Maria Gugging zum zweiten Mal seit seiner Gründung eine wissenschaftliche Evaluierung. Außerdem wurde Dienstag vormittag das neue Laborgebäude "Lab Building West" mit viel politischer Prominenz eröffnet.

Das fünfte und bisher größte Gebäude des IST Austria am Campus in Klosterneuburg bietet Platz für bis zu 30 weitere Forschungsgruppen und rund 300 Wissenschafter. Derzeit zählt das im Jahr 2006 ins Leben gerufene Institut 500 Mitarbeiter, darunter 120 Doktoranden (davon 80 Prozent Internationale und 20 Prozent Österreicher) und etwa ebenso viele Post-Docs, verkündete die Führungsriege um Präsident Thomas Henzinger schon im Vorfeld der Eröffnung. Besonders messen lasse sich der Erfolg aber an Abgängen. So hat das IST Austria 14 Doktorabschlüsse vergeben und 94 abgegangene Post-Docs zu vermelden. Da ein Doktorat mit dem PhD Austria auf fünf Jahre ausgelegt ist, erwartet man, dass diese Zahl in den kommenden Jahren deutlich ansteigt.

Neues Finanzierungsmodell

Seit 2006 habe man 51 Millionen Euro an Drittmittelförderung eingeworben. Mit Spenden erhöht sich der Betrag auf 69 Millionen Euro. Das ist von besonderem Interesse, da mit dem IST Austria en in Österreich neues Modell der Finanzierung von Forschungseinrichtungen erprobt wird. 2006 erhielt das Institut für seinen Aufbau vom Land Niederösterreich 131,5 Millionen und vom Bund 290 Millionen, davon 195 garantiert und das verbleibende Drittel von 95 Millionen wird dann ausbezahlt, wenn dieselbe Summe bis 2016 an Drittmitteln eingeworben wird.

Henzinger sieht in diesem Förderungsmodell eine "fantastische Idee". Stolz sei man darauf, im Jahr 2015 für die Graduiertenschule eine EU-Förderung von 4,4 Millionen Euro erhalten zu haben.

Mit dem neuen Gebäude wird nun der Bereich der Physik ausgebaut. So finden sich dort ein Labortrakt für Experimentalphysik, in dem ab Ende nächsten Jahres Nanoscience betrieben wird, sowie ein Bürotrakt für theoretische Physik und Mathematik.

Grundsätzlich will Henzinger das Institut als Bereicherung denn als Konkurrenz für den heimischen Wissenschaftsstandort verstanden wissen: "Vernetzen und Zusammenarbeiten" lautet die Devise. Die Infrastrukturen zwischen Niederösterreich und Wien ergänzten sich. Sogenannte Scientific Service Units sollen auf der Homepage einsichtig werden, um leichten Zugang zur Infrastruktur zu gewährleisten.

Der Austausch funktioniert, ist man beim IST Austria überzeugt, was sich auch dadurch zeige, dass der Shuttleservice zum Standort vor die Tore Wiens genutzt werde. Die letzte Evaluierung vor vier Jahren war so positiv ausgefallen, dass sich das Land Niederösterreich auf eine Folgeförderung von 508 Millionen und der Bund auf 1,4 Milliarden festlegten.

"Sparsam und zweckmäßig"

Neben einer wissenschaftlichen Evaluierung von einem Gremium hochdotierter Forscher wurde auch eine Evaluierung des Wissenschaftsministeriums präsentiert. Diese bescheinigt dem Institut vor allen Dingen, dass die zugesicherten Gelder für den Betrieb deckend sind. Da heißt es, man arbeite "sparsam und zweckmäßig". Und bescheinigt dem Institut eine "Vorbildrolle in wissenschaftlicher Exzellenz und Science Management".

Auf Letzteres sei man besonders stolz, wolle man doch zeigen, dass man zu haushalten weiß. Für die Zukunft hat sich Henzinger eine bessere Wissenschaftskommunikation vorgenommen, um ein einheitliches Bild nach außen zu präsentieren. "Wir haben intern eine ganz klare Vision, die müssen wir auch nach außen vermitteln". Diese beschreibt er wie folgt: "Wir wollen Wissenschaft auf Weltklasseniveau, frei und unabhängig Wissenschafter anstellen, wir schreiben keine Positionen in bestimmten Gebieten aus, sondern wählen nach Exzellenz die vielversprechendsten Kandidaten."

Dabei beharrt man auf Unabhängigkeit, weshalb bei der Laboreröffnung auch eine "joint declaration" unterschrieben wurde, in der die Unabhängigkeit des Instituts wiederbestätigt wurde. Für die Zukunft erwartet man sich ein lineares Wachstum bis 2026 auf die angestrebten 90 Professoren und Fachbereiche.