Ein Job - zwei Arbeitskräfte

Von Sigrid Uray-Esterer

Gastkommentare
Sigrid Uray-Esterer ist Mitgründerin der Jobsharing-Matching-Plattform "JobTwins", die sie gemeinsam mit Gründerin Katharina Miller betreibt.
© privat

Statt Teilzeit zu verteufeln, sollte die Stundenerhöhung gefördert werden.


"Wir müssen in Österreich Vollzeitarbeit attraktiver machen." Wenn Menschen freiwillig weniger arbeiten, dann könne man weniger Sozialleistungen zahlen.

So ungefähr hat Arbeitsminister Martin Kocher in dieser Woche eine echte Welle der Entrüstung in Österreich ausgelöst. Statt aber die Teilzeitarbeit, die es den Frauen beziehungsweise Eltern ermöglicht, die Kinder (unbezahlt) zuhause zu betreuen, zu verteufeln, sollten wir uns vielleicht mit möglichen Lösungsansätzen beschäftigen. Einer ist das flexible Arbeitsmodell Jobsharing, wo sich zwei Teilzeitfachkräfte eine Vollzeitstelle teilen können. Dies ermöglicht es Menschen in Teilzeit - ohne viele Überstunden -, in anspruchsvollen Jobs psychisch und physisch gesund ihren Berufen weiterhin ununterbrochen nachzugehen.

An dieser Stelle sei der Unterschied zum Jobsplitting erwähnt. Man teilt sich beim Jobsharing sämtliche Verantwortung für die Rolle und alle Aufgaben. Teilt man einen Job schlicht in zwei Teilzeitstellen, werden Aufgaben, Einsatzbereiche und Ziele ganz konkret auf- und zugeteilt. Das ist in vielen Rollen einfach nicht möglich. Jobsharing ist ein neues Kollaborationsmodell, bei dem beide Teile die Rolle gleichermaßen ausführen und verantworten.

Der Einsatz eines solchen Modells bedeutet auch, dass zum Beispiel Frauen eher dazu angeregt werden können, nach der Karenz überhaupt oder auch mehr Stunden zu arbeiten. Denn häufig steigen qualifizierte Fachkräfte mangels spannender Jobaussichten erst später oder mit sehr geringer Teilzeit wieder in den Job ein. Die Unternehmen möchten die verantwortungsvolleren Positionen aber in Vollzeit besetzen und schließen somit ihre Teilzeitkräfte davon aus. Die Motivation, ein paar mehr Stunden in den Job zu investieren steigt mit den Karriereaussichten und damit, eine sinnhafte Aufgabe zu erfüllen.

Dieses Problem löst das Konzept des Jobsharings, da hier eine zweite Person die übrige Arbeitslast mitträgt. Die Kombination der Stunden ist bei dem Modell völlig offen und kann je nach Umfang der Position - vor allem bei Führungspositionen - etwa auch eine Vollzeitkraft gemeinsam mit einer Teilzeitkraft umfassen. Zwei Köpfe auf einer Position sind kreativer, innovativer und produktiver als einer und bringen den Unternehmen in Summe mehr Ergebnisse, wie die wissenschaftliche Befragung "Produktivität Jobsharing" der Hochschule Heilbronn und die Studie "Duale Führung" von ABZ*Austria und PwC im Vorjahr ergeben haben.

Mehrkosten entstehen den Organisationen durch doppelte Hardware sowie möglicherweise ein paar Stunden für Übergabe und Abstimmung. Zwei 20-Stunden-Kräfte, die gemeinsam eine 40-Stunden-Rolle erfüllen, verursachen allerdings keine höheren Lohnnebenkosten. Der bekannte Karriereknick kann durch Jobsharing verhindert werden. Der Wiedereinstieg in Vollzeit oder auch, mehr Stunden direkt nach der Karenz arbeiten zu gehen, wird deutlich erleichtert.

Ist das Konzept die Lösung für all unsere Probleme? Mit Sicherheit nicht. Allerdings ist es ein niederschwellig einzuführendes Arbeitsmodell, das kaum Kosten verursacht und brachliegende Arbeitskraft mobilisieren kann. Für Frauen und Männer, für Jung und Alt. Vielleicht überlegt es sich die Bundesregierung ja doch einmal, es attraktiver zu gestalten, mehr Teilzeitstunden zu arbeiten, als die Teilzeitarbeitenden in Österreich ständig vor den Kopf zu stoßen.