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Ein Kontinent im Kommen

Von Monika Jonasch

Wirtschaft
Die Syline von Nigerias Hauptstadt Lagos präsentiert sich hypermodern.
© stock.adobe.com / Bassey

Eine junge Bevölkerung, eine Wirtschaft mitten im industriellen Aufschwung - Afrika hat enormes Potenzial, auch für Österreichs Unternehmen. Sie punkten mit Maschinen und Textilien.


Österreich bezeichnet sich selbst gerne als Exportweltmeister. Will man das auch künftig bleiben, gilt es neue Partner zu finden, etwa in Afrika. Anlässlich des "Africa Day" der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) präsentierte diese am Montag vor Journalisten in Wien den Kontinent und sein Potenzial. Man erzählte rot-weiß-rote Erfolgsgeschichten von Ägypten bis Südafrika. Mit einem enormen Wirtschaftswachstum - das durchschnittliche Gesamt-BIP des Kontinents lag 2022 jenseits der Acht-Prozent-Marke - sowie einer jungen Bevölkerung mit steigender Kaufkraft und mitten im industriellen Aufschwung bietet Afrika für österreichische Unternehmen vielerlei Chancen, ihre Stärken gewinnbringend auszuspielen. Besonders Infrastrukturprojekte und der Energiesektor sind da interessant. Maschinen "Made in Austria" genießen einen ausgezeichneten Ruf.

2021 exportierten heimische Firmen Waren im Wert von 1,9 Milliarden Euro nach Afrika. "Die Chancen stehen gut, dass wir 2022 die 2-Milliarden-Euro-Marke durchbrochen haben", erklärt Mariana Kühnel, stellvertretende WKO-Generalsekretärin. Allerdings fokussiert sich die Alpenrepublik derzeit auf nur sieben Staaten, wohin 80 Prozent der heimischen Exporte gehen. Da wäre mehr Potenzial vorhanden, betont sie. Wichtigster Zielmarkt ist derzeit Südafrika, gefolgt von Ägypten und Marokko (s. Grafik).

Große Chancen ortet die WKO in den Bereichen erneuerbare Energien - insbesondere Wasserwirtschaft - bei Green Tech und Abfallwirtschaft, und auch bei Medizintechnik. "Österreichische Qualität ist sehr gefragt. Man könnte aber noch mehr erreichen, wenn man sich besser an regionale Gegebenheiten anpasst", betont Guido Stock, Wirtschaftsdelegierter in Lagos, Nigeria. So sind etwa weniger Ersatzteile bei Maschinen für Afrika sehr wichtig, um die Lieferketten zu entlasten.

Vorarlberger Textilien für Nigerias High Society

Nigeria ist ein gutes Beispiel für Afrikas Potenzial: 220 Millionen Einwohner hat das Land, Tendenz stark steigend. Bis 2050 wird es zu den drei bevölkerungsreichsten Staaten der Erde gehören, nach China und Indien. Als größte Volkswirtschaft Afrikas hat Nigeria Südafrika überholt. Die Bauwirtschaft boomt, ebenso die Digitalisierung. Im Banking sei man moderner als in Österreich, beschreibt Stock die Aufbruchsstimmung und erzählt: "Ein Drittel der österreichischen Nigeria-Exporte sind Textilien, besonders jene aus dem Vorarlberger Lustenau. Feine nigerianische Damen kleiden sich bevorzugt in Vorarlberger Stoffe."

Ägypten wiederum bietet sich als Energie-Exporteur für Europa an, von Solarkraft über Gas bis zu grünem Wasserstoff, erzählt Georg Krenn, Wirtschaftsdelegierter in Kairo. Beide Länder kämpfen allerdings mit ihren enormen Schulden: Die Staatsfinanzen sind angeschlagen, auch angesichts der Getreide-Knappheit wegen des Ukraine Krieges. Man musste den Internationalen Währungsfonds IWF zur Hilfe holen. Der Privatsektor hat zwar genug Geld, aber die Zentralbank nicht genug Hartwährungsreserven, so Krenn. Das macht den Zahlungsverkehr schwierig. Ein Anreiz für Firmen aus Europa mit Afrika ins Geschäft zu kommen, ist jedenfalls die Freihandelszone "African Continental Free Trade Area" (AfCFTA). Sie soll einen Binnenmarkt ohne Zollschranken für den gesamten Kontinent ermöglichen, 54 Länder haben das Abkommen 2019 unterschrieben. Es entsteht die weltgrößte Freihandelszone mit einem Markt von 1,2 Milliarden Menschen. Als Handelspartner wird Afrika damit für die EU immer interessanter.