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Ein Krimi à la Agatha Christie

Von Heiner Boberski

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Der Entdeckung der Gletschermumie "Ötzi" und den darauf folgenden Fortschritten der Forschung verdanken wir eine ganz junge Erkenntnis: Dem ägyptischen Pharao Ramses III. wurde im 12. vorchristlichen Jahrhundert im Zuge einer von seiner Nebenfrau Teje angezettelten Verschwörung die Kehle durchgeschnitten.

Damit lieferte die Wissenschaft wieder einmal die handfeste Bestätigung dafür, dass in den Herrscherpalästen der alten Hochkultur Ägypten "sex and crime" eine recht bedeutende Rolle spielten. Man lese nur nach, was über die Epochen der glamourösen Königin Nofretete - am 6. Dezember war die Auffindung ihrer berühmten Büste genau 100 Jahre her - oder der sämtliche römische Potentaten ihrer Zeit beglückenden Kleopatra bekannt ist: Material für einige Thriller über Inzest und Mord.

Weniger bekannt ist, dass Agatha Christi einen im alten Ägypten, wenn auch nicht gerade in der Pharaonenfamilie spielenden Krimi verfasst hat. Die Lady of Crime servierte 1944 in dem bis jetzt unverfilmten Roman "Death Comes as the End" (deutscher Titel: "Rächende Geister"), angesiedelt 2000 vor Christus in Theben, mehr Leichen als in ihren sonstigen Werken - ausgenommen jenes mit dem politisch unkorrekten Titel "Ten little Niggers" (neuer deutscher Titel: "Und dann gab’s keines mehr"). Die Kapitel benamste die sachkundige Autorin - ihr zweiter Mann, Max Mallowan, war Archäologe - mit den Monaten des ägyptischen Kalenders.

Bei Ägypten und Krimi sollte man daher immer auch an die Pharaonenzeit denken, nicht nur an "Tod auf dem Nil" und Peter Ustinov.