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Ein modernes Tennismärchen

Von Christian Mayr

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Es sind die Geschichten, die der (Tennis-)Sport mittlerweile schon selten schreibt, die aber letztlich Teil der großen Faszination sind: Da kommt ein 21 Jahre alter Steirer, der noch nie zuvor ein ATP-Turnier bestritten und überhaupt noch nie bewerbsmäßig auf Rasen gespielt hat, nach Wimbledon - also zum Turnier aller Turniere -, übersteht dort schon überraschend die Qualifikation und steht dann vor dem Problem, mangels Sponsor keine adäquate Bekleidung für den Hauptbewerb zu besitzen. Was also macht er? Er marschiert schnurstracks in den Wimbledon-Fanshop und sucht sich dort weiße Leiberl, Hosen und eine Trainingsjacke aus. "Ich habe jetzt zwei Tennisdress für ein Match, damit ich auch mal mein T-Shirt wechseln kann", sagt er dann bescheiden. Derart gut gewandet steht der Mann zwei Sensationssiege später plötzlich unter den besten 32 des bedeutendsten Grand-Slam-Turniers der Welt. Die Rede ist natürlich von Sebastian Ofner, der mit seiner märchenhaften Story - irgendwo angesiedelt zwischen Aschenputtel und Zauberlehrling - soeben die Tennis-Welt in Erstaunen und Verzücken versetzt. Egal, wie denn nun das Match um den Achtelfinaleinzug gegen den Deutschen Alex Zverev auch ausgehen mag, Wimbledon 2017 wird nicht bloß aus österreichischer Sicht mit der Geschichte des Nobodys aus der Steiermark verbunden bleiben. Seinen großen Landsmann Thomas Muster, ehemals Nummer eins der Welt, hat der "Tennis-Falco" Ofner (ob seiner nach hinten gegelten Haare), damit bereits überflügelt. Denn Muster hat in Wimbledon nie etwas gewonnen. Die Bestmarke halten Alex Antonitsch (1990) und Jürgen Melzer (2010/2013) mit ihren Achtelfinaleinzügen. Diese wackelt heuer - nicht nur durch Top-Ten-Spieler Dominic Thiem, sondern auch durch Nobody Ofner.