Zum Hauptinhalt springen

Ein Rattenschwanz an Problemen

Von Tamara Arthofer

Kommentare
Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 9 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

"Eine verpasste Chance", "ein Kniefall vor Russland", "Wladimir Putin als Herrscher über den Weltsport" - so und so ähnlich lauteten die kritischen Kommentare über den Nicht-Ausschluss des russischen Teams von den Olympischen Spielen, den das IOC am Sonntag beschlossen hatte. Tatsächlich hat sich das IOC zwar neben dem Vorwurf, möglicherweise auch unschuldige Sportler zu bestrafen, Millionenklagen erspart, doch es hat das Problem nicht gelöst, sondern lediglich verschoben. Indem es sich aus der Verantwortung gestohlen und diese an die internationalen Fachverbände abgewälzt hat, haben die nun den Scherben auf. Wie sollen sie nun binnen elf Tagen alle Einzelfälle prüfen, ohne dass von vornherein die Seriosität dieser Kontrollen untergraben wird und der Verdacht gegen die dann startenden Sportler bestehen bleibt? Warum sind die Leichtathleten komplett ausgeschlossen, wenn der vor einer Woche von der Welt-Anti-Dopingagentur vorgelegte Report besagt, dass das staatliche Doping-System auch in andere Sportarten hineinreichte? Indizien dafür hat es ohnehin schon lange gegeben, das IOC hat mit seiner Entscheidung viel zu lange gebraucht. Jetzt eint es die Sportwelt nicht, es entzweit sie. Wenn sich schon die vermeintlich große olympische Bewegung nicht zu einer klaren Trennlinie durchringen kann, wo sollen dann die einzelnen Verbände eine solche ziehen? Stimmt freilich nicht ganz, denn ein endgültiges Verdikt gab es dann vom IOC doch: Whistleblowerin Julia Stepanowa, die maßgeblich das System aufgedeckt hat - und seither auf der Flucht ist -, erfülle laut IOC-Chef Thomas Bach nicht die "ethischen Anforderungen" für einen Rio-Start. Dabeisein darf sie dennoch, als Zuschauerin auf Einladung des IOC. Mehr Hohn geht nicht.