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Ein schwacher Film als Freiheitssymbol

Von Bernhard Baumgartner

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Nach einer Schrecksekunde bei Sony ist nun die Nordkorea-Komödie "The Interview" doch noch angelaufen. Und das vor vollen Kinosälen: In mehr als 300 US-Kinos startete am Donnerstag der Film über ein Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un, nachdem die Produktionsfirma Sony ihn wegen Terrordrohungen zunächst zurückgehalten hatte.

Viele Menschen gehen nun aus Prinzip ins Kino, weil man sich nicht vorschreiben lassen will, welchen Film man in einem freien Land sehen darf. So weit, so gut. Wäre der Film nicht ein ans Hanebüchene grenzender Unfug, bekämen die Menschen, die nun patriotischerweise mutig und (hoffentlich!) nur mit Cola und Popcorn bewaffnet in die Kinosäle schreiten, auch was für ihr Geld. Denn natürlich geht man nicht wegen des Films ins Kino - man will ein Zeichen setzen. Das ist freilich in zweifacher Hinsicht eine Demütigung für Sony. Einerseits dafür, dass man den Film beim ersten Säbelrasseln zurückzog und dann nach einem Rüffel von oben doch zeigte; andererseits, weil die Menschen trotz und nicht wegen des Films ins Kino gehen.

Wie auch immer: Der Hackerangriff dürfte noch tief in den Knochen sitzen, und ausgestanden ist die Sache wohl noch länger nicht. Dazu kommt, dass das FBI schon vor einem Jahr vor solchen Attacken gewarnt haben will. Es gab in einem Bericht genaue Anleitungen, wie Firmen sich auf einen derartigen Angriff vorbereiten können, wie "The Intercept" berichtet. Allerdings hat Sony Pictures den Bericht nie erhalten. Eine weitere Panne, die die USA nicht gut aussehen lässt.