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"Ein schweres, ein kompliziertes Leben"

Von Nina Schedlmayer

Europaarchiv

Eine hübsche Geschichte: Der Großvater der heute 70-jährigen Künstlerin Alena Kucerová war Schuster. Und in seiner Werkstatt lag so allerhand Werkzeug herum. Zum Beispiel eine Ahle, ein Stichel, mit dem man Leder durchlöchern kann.


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Davon inspiriert, fand die Künstlerin, die an der Prager Kunstuniversität studiert hatte, bereits früh zu ihrer Technik: In Industriebleche sticht sie Strukturen, Muster und Bilder aus Löchern, die sie auf Papier druckt.

Ein weiterer Grund für die Entwicklung dieses Druckverfahrens, war, so erzählt Kucerovás Prager Galerist Jaroslav Pecka, eine andere, traurige Geschichte: Nachdem ihr Vater der Spionage bezichtigt wurde, verlor die Familie ihre materielle Grundlage - woraufhin die Künstlerin auf das billige Blech zurückgriff.

Die Ausstellung im Tschechischen Zentrum zeigt sowohl Grafiken als auch einige der gelochten Bleche, die Kucerová eines Tages selbst als Kunstwerke deklarierte und die, bunt und heiter, einen denkbar starken Kontrast zu den weichen, manchmal recht düsteren Grafiken bilden.

"Sie hatte ein schweres, ein kompliziertes Leben - beruflich wie privat.", betonte Pecka in seiner Eröffnungsrede am Donnerstag der Vorwoche. So wechselten sich internationale Erfolge - wie etwa der Auftrag für eine große Glasplastik für die Universität von Montreal - mit politischer Verfolgung ab, ein Schicksal, das die Künstlerin mit vielen ihrer Kollegen und Kolleginnen teilte.

Heute arbeitet Kucerová mit gefundenen Gegenständen, die sie zu Wandobjekten montiert - und zwar in einem kleinen Haus am Land nahe Prag. Dorthin hat sie sich seit mehreren Jahren zurückgezogen, und meidet das öffentliche Leben. So sehr, dass sie nicht einmal ihre eigenen Vernissagen besucht. n

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Tschechisches Zentrum: "Alena Kucerová" Bis 5. 4. 2005

Herrengasse 17, 1010 Wien

Mo.-Fr. 9-12, 13-17 Uhr

Tel.: 53 52 360

www.tschechischeszentrum.at