Zum Hauptinhalt springen

Ein Verfall in Zahlen

Von Bernhard Baumgartner

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 4 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wenn es einen klassischen Wiener Gugelhupf gibt und man acht Esser hat, darf sich jeder auf ein schönes Stück freuen. Was aber, wenn vorher schon jemand die Hälfte weggegessen hat? Dann bekommt zwar jeder immer noch ein Achtel, aber halt nur noch von einem halb so großen Kuchen. Alles bestens also? Eher nicht. In dieser Scheinwelt bewegen sich aber nun schon seit längerem die Fernsehsender, nicht nur in Österreich, sondern nahezu überall. Ein Beispiel ist die ORF1-Serie "Vorstadtweiber", die derzeit in der fünften Staffel spielt. Die Marktanteile sind wunderbar, heißt es da trotzig auf Kritik des "Standard" über kontinuierlich abstürzende Zuschauerzahlen. Waren 2015 noch im Schnitt 858.000 Zuschauer dabei, musste man sich am Montag mit 498.000 Zuschauern begnügen, dem niedrigsten Wert seit Serienstart und erstmals unter 500.000.

Dass das noch immer im Bereich von (hohen) 23 Prozent ist, sagt genau eines aus: Die Zuschauer haben sich längst massenweise ins Netflix-Amazon-Land verabschiedet, und bloß unter jenen, die noch immer da sind, läuft es gut. Eine zuletzt publizierte Zahl machte das Drama deutlich: An manchen Tagen sind bis zu 53 Prozent der Zuseher Streamer - diese Art des Fernsehens hat also das lineare TV stellenweise längst überholt. Sich und den Kunden mit guten Marktanteilen zu beruhigen, ist fatal. Denn so bemerkt man gar nicht, dass der Gugelhupf immer kleiner wird. In diesem Sinne: Mahlzeit!