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Eine Automatik für mehr Sicherheit?

Von Brigitte Pechar

Europaarchiv

Datenschützer Zeger: "Das Projekt Indect ist zum Scheitern verurteilt."


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Wien. Anonymous Austria hat am Sonntag die Website der FPÖ gekapert. Hintergrund dafür war, dass dort auf das EU-Projekt Indect verwiesen wurde - kritisch. Das rückt das umstrittene EU-Forschungsprojekt ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Ziel von Indect ist die automatische Auswertung aller verfügbaren Überwachungstechnologien - Videoüberwachung im öffentlichen Raum, Informationen aus dem Internet, Personaldaten, Handydaten, Strafregister. Der Sinn dahinter ist einerseits, Sicherheitstechnologien zu entwickeln und diese zu exportieren und andererseits, der Polizei Mittel zur Verbrechensprävention zu geben.

Das Projekt Indect (Intelligentes Informationssystem zur Unterstützung von Überwachung, Suche und Erfassung für die Sicherheit von Bürgern in städtischer Umgebung) wurde 2009 gestartet und läuft fünf Jahre lang. Rund 15 Millionen Euro stellt die EU dafür zur Verfügung. Die Fachhochschule Technikum Wien ist an diesem Projekt beteiligt.

Mittels spezieller Computersoftware soll "abnormales Verhalten" festgestellt werden. Abnormal ist schnelles oder langsames Gehen, zu langes Sitzen oder auf dem Boden Sitzen in einem öffentlichen Verkehrsmittel oder in einem Flughafen und Ähnliches. Solcherart "verdächtige" Personen werden durch computerunterstützte Gesichtserkennung identifiziert und dann von ferngesteuerten Drohnen mit Überwachungskameras automatisch und selbständig verfolgt.

Ein Beispiel: Ein Mann steht längere Zeit vor einem Auto. Mittels Gesichtserkennung werden seine Identität und die Daten des Autos aus dem Kfz-Melderegister verglichen und festgestellt: Das Auto gehört einer Frau. Der Mann ist verdächtig, daher wird die Verfolgung mittels Drohnen aufgenommen. Tatsächlich sucht der Mann nach den Autoschlüsseln zum Pkw seiner Freundin.

"Solche automatischen Verfahren werden kommen", ist Hans G. Zeger von der Arge Daten überzeugt. Allerdings sei das eines der vielen Projekte, das zum Scheitern verurteilt sei. "Denn im Echtbereich funktionieren weder Fingerabdruck- noch Personenerkennung", sagt Zeger. Und: Die Polizei komme mit diesen Systemen nicht zurecht.