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Eine echte Wohltat

Von Hans-Paul Nosko

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Genau das Richtige für den Abend eines Wochenbeginns war das: die Ö1-Sendung "Texte" am Montag: Erinnerungen des Schriftstellers und Filmemachers Walter Wippersberg an seine Kindheit und Jugend im oberösterreichischen Steyr.

Wippersberg, Jg. 1945, beschreibt in schlichter Sprache die Menschen, Orte und Umstände, die sein Heranwachsen prägten. Die Hausbesitzer, die neben drei anderen Familien in seinem Elternhaus wohnten und sich oft zankten; ein verwilderter Garten, in dem der Schriftsteller und seine Freunde Ritter spielten; der Nachbar, der ihm in der Enns das Schwimmen beibrachte. Wie wenig die Erwachsenen die Kinder beaufsichtigten, wie festgefügt trotzdem das Regelwerk des Erlaubten und des Verbotenen war und man sich eben "nicht erwischen lassen durfte", weil sonst Ohrfeigen drohten.

Die nahe Welt zeigte ihm eine Frau aus der Nachbarschaft: den Linzer Pöstlingberg mit seiner Grottenbahn, aber auch das Konzentra-tionslager Mauthausen. Die große, weite Welt erschloss sich den Steyrer Jugendlichen in den fünf oder sechs Kinos, die ihre Stadt damals besaß: Filme mit Gabin, Belmondo oder Lino Ventura entführten die Buben in europäische Großstädte. Mit 19 Jahren verließ Wippersberg schließlich Steyr und sah sich selbst die Welt an.

In einem Jahr wie diesem, das derart voll ist mit Events, Zeitzeugnissen und Gedenken, war dieser unpräten-tiöse Rückblick eine echte Wohltat.