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Eine Frau des Wortes

Von Brigitte Pechar

Politik

Irmgard Griss will Bundespräsidentin werden - ohne Partei, ohne Parteifinanzierung - mit einem eigenen Stil.


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Wien. "Ich trete nicht an als Parteikandidatin. Ich nehme kein Geld an von einer Partei." Irmgard Griss (69) vormalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und Verfasserin des Hypo-Berichts war in der Parteiakademie der Neos eingeladen, um über ihre Vorstellungen des Amtes des Bundespräsidenten zu sprechen. Ob die Neos ihre Kandidatur unterstützen werden, wird am 17. Dezember bei einem erweiterten Parteivorstand noch beraten.

Die Neos-Sympathisanten jedenfalls scheinen die Kandidatur von Griss für das Amt des Bundespräsidenten im kommenden Jahr zu begrüßen - ihr Interesse war groß und wohlwollend. Auch Parteichef Matthias Strolz ist einer offiziellen Unterstützung der früheren Richterin nicht abgeneigt. "Sie kommt nicht aus den üblichen verdächtigen Machtzirkeln, nicht aus den verkrusteten Strukturen", sagte er zur Begrüßung.

Wichtig sei ihr, Probleme anzusprechen, eine sachliche Diskussion zu führen und zu einer ausgewogenen Lösung zu kommen. Von Schwarz-Weiß-Kategorisierungen hält sie nichts. Auch nicht von Vereinfachungen. Geprägt worden sei sie während ihres Studienaufenthalts an der Law School in Harvard (USA). Dort hätten sich Professoren und Studenten gleichermaßen um Lösungen bemüht.

Sie selbst orientiere sich an den europäischen Grundrechten und an den Menschenrechten. Sie sei römisch katholisch, "aber für mich ist Religion Privatsache. Religion darf das Verhalten im öffentlichen Bereich nicht bestimmen". Gefragt, ob sie sich von der FPÖ und Heinz-Christian Strache unterstützen lassen wolle, sagte sie, sie könne niemandem verbieten, sie zur Wahl zu empfehlen, allerdings sei völlig klar: "Ich bin keine Parteikandidatin." Ob sie Strache als Bundeskanzler angeloben würde? "Meine Richtschnur ist die Verfassung", sagt Griss. Sie würde niemanden angeloben, der im Parlament keine Mehrheit hat.

Wesentlichste Aufgabe eines Bundespräsidenten sei es, das Wort zu ergreifen: um Diskussionen anzuregen, um zu mahnen, um Mut zu machen. "Das Wesentliche ist, dass ein Bundespräsident ein Mann oder eine Frau des Wortes ist." Und Griss verspricht: "Ich habe einen eigenen Stil, den werde ich prägen."