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Eine Geburtstagstorte für ganz Berlin

Von Kurt Geisler

Reflexionen

Es war schon immer die Attraktion von Berlin: Das Kaufhaus des Westens, kurz KaDeWe genannt. Bei Berlinern und Touristen gleichermaßen beliebt, ein Muss für jeden auswärtigen Besucher, ist es doch mit 60.000 m² Verkaufsfläche das größte Warenhaus auf dem Kontinent.


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Heute gehört das KaDeWe zu Berlin wie das Brandenburger Tor, die Gedächtniskirche oder der Fernsehturm am Alexanderplatz. Aber damit nicht genug. Im März 2007 wird der Luxustempel KaDeWe hundert Jahre alt - ein Anlass für die Leitung, das Haus gründlich zu restaurieren, um den Anforderungen eines internationalen Departmentstores gerecht zu werden. Nun hat das Management des Paradepalastes sogar den Ehrgeiz, eines der größten und attraktivsten Warenhäuser der Welt zu werden, quasi als Fortsetzung einer hundertjährigen erfolgreichen Tradition. Im Frühjahr 2004 begann der Umbau vom Erdgeschoss bis in die obersten Etagen. Die Investitionen haben 46 Millionen Euro gekostet. Da das Konsumentenverhalten sich ständig ändert, muss auch das KaDeWe sich ständig neu in Frage stellen. Wie reagiert man darauf?

Flexibilität ist alles. "Mit Flexibilität. Um auch in Zukunft zu bestehen, müssen wir ständig ändern. Da kann man schon mal Kunden verprellen, nicht nur ältere, auch jüngere", meint Patrice Wagner, erster Geschäftsführer im KaDeWe. So hat man die Sportabteilung gestrichen, um die Fläche rentabler zu nutzen. Gleiches gilt für das beliebte "Wiener Café". Der KaDeWe-Chef: "Wir müssen uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren, internationaler werden und wir müssen modischer sein und die Angebote verjüngen." Ziel sei es auch, "so transparent und übersichtlich wie möglich zu werden, um eine bessere Orientierung zu schaffen".

So wurden vier Meter breite Designerboulevards gestaltet, die wie in einer Stadt von großen und kleinen Straßen durchkreuzt werden. Der Besucher kann durch offene Sichtachsen jeweils beide Rolltreppen sehen und sich somit intuitiv orientieren. Das Beauty-Department im Erdgeschoß mit Parfümerie-Welten, Wellness- und Servicebereichen bis hin zu eigenen Beauty-Lounges gehört zu den größten Europas. Dort werden sage und schreibe 1500 Düfte präsentiert: Ein Tempel der Sinne. Boulevards der Superlative mit Marken von Gucci, Chanel über Bulgari bis Cartier empfangen den staunenden Kunden. 40.000 Besucher sollen es am Tag sein, die im "Kaufhaus der unbegrenzten Möglichkeiten" über 380.000 verschiedene Artikel erwerben können.

Alle sind vertreten. In den luxuriösen Fashion Departments für Damen und Herren befindet sich eine große Zahl internationaler Brands, das "Who is Who" der Modewelt: Armani Collezioni, Akris Punto, Burberry, Escada und Escada Sport, Strenesse und Strenesse Blue, Boss Women, St. Emile, Marithé und Francois Girbaud, DKNY, Calvin Klein oder für den Herrn Adidas, Armani Jeans, Boss, Burberry, Polo Ralph Lauren, Versace Jeans, Windsor, D&G, Puma, Guru, LaMartina, Tommy Hilfiger und vieles mehr. Alles topp! Mit weiteren weltberühmten Designern steht man in Verhandlung.

Das absolute Ziel, überall die Nr.1 zu werden, verlangt teilweise rigorose Maßnahmen: Kein Label, das nach zwei Saisonen nicht gut läuft, hat eine Chance. Wagner ganz cool: "Dann muss es ausgetauscht werden. Schließlich sind wir keine soziale Einrichtung". Erwähnenswert ist auch die Schuhabteilung, eine Präsentation auf 800 m² Fläche. Und die Neuerung: Keine Sortierung nach Größen, sondern, wie bei der Bekleidung, nach Marken.

Mekka für Gourmets. Der ganz große Clou und Publikumsmagnet dürfte zweifellos die legendäre 6. Etage sein - ein Mekka der Gourmets und mit ca. 7000 m² die größte Feinkostabteilung Europas. Hier können Leckermäuler zwischen 33.000 verschiedenen Artikeln wählen, darunter allein ca. 1300 Käsesorten, 1200 verschiedene Wurst und Schinkenspezialitäten und ca. 400 Brot- und Brötchensorten. Weinkenner finden rund 2400 Weine aus allen Kontinenten. 500 Mitarbeiter, davon allein 150 Köche und Konditoren, arbeiten in der Feinschmecker-Etage.

Eine Attraktion ist die Frischfischabteilung. Sie bietet neben heimischen Fischen auch ausgefallene Spezialitäten wie Papageienfisch von den Seychellen, frische Seeigel, Meeresspinnen, Taschenkrebse, Langusten und Hummerschwänze. Je nach Saison tummeln sich Hechte, Störe, Welse, Barsche, Karpfen, Forellen und andere Süßwasserfische in den Bassins.

Ein guter Mix. Eine Welt des Erlebens und Genießens. Patrice Wagner betont jedoch, dass das KaDeWe nicht ausschließlich Luxus und "nicht nur jung und topmodisch, sondern auch moderne Klassik", anbietet - ein guter Mix. Die Service-Leistungen will man ständig verbessern durch Weiterbildungsmaßnahmen und Sprachkurse bei Mitarbeitern. Viel zu bieten hat man ohnedies beim allgemeinen Service: "Wir haben ein Änderungsatelier, eine Kundengarderobe, Gepäckaufbewahrung, Gepäckträger, Lieferservice, Kinderbetreuung und vieles andere mehr". Und weit über 1000 Parkplätze.

Wie muss ein Mann innerlich positioniert sein, bei dem Luxus täglich Brot ist? Patrice Wagner bleibt völlig locker: "Ich habe einen spannenden Beruf, ich bin wirklich zu beneiden. Das gebe ich gerne zu. Ich habe eine tolle Verantwortung zu tragen und mir macht mein Beruf eine Menge Spaß". Zeit für Hobbys? "Ich fahre leidenschaftlich gern Motorrad, richtig im Motorraddress; dann spiele ich sehr gern Squash. Aber zuerst kommt meine Familie. Und dann habe ich ja noch meine Arbeit als Hobby".

Nach 100 Jahren in die Zukunft. Auf besondere Art sorgt man für Nachwuchs vor. Einige Spitzenhäuser der Karstadtgruppe sollen zu Premium-Häusern entwickelt werden, mit hohem Anspruch an Angebot und Leistungen, wie "Karstadt an der Zeil" in Frankfurt am Main, das "Alsterhaus" in Hamburg und "Oberpollinger" in München. Das wird vor allem durch Marketing erreicht, aber auch durch ein entsprechendes Ambiente der Ladengestaltung. Das berühmte KaDeWe in Berlin bekommt dann also Töchter, quasi "kleine KaDeWe´s".

Zum Jubiläum selbst hat man sich natürlich etwas Besonderes einfallen lassen. Die Premium-Lieferanten sind aufgefordert worden, limitierte Jubiläums-Editionen, speziell für 100 Jahre KaDeWe designt und gefertigt, für eine gewisse Zeit anzubieten. Und exakt zum Geburtstag am 24. März soll der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit eine Riesentorte anschneiden - und ganz Berlin soll ein Stück vom Kuchen bekommen.