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Eine Gemeinde rückt zusammen

Von Simon Seher

Politik

Die Asylunterkunft im oberösterreichischen Altenfelden ist bald wieder bezugsfertig.


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Altenfelden/Linz. Das Flüchtlingshaus in der oberösterreichischen Gemeinde Altenfelden steht wieder. In der Nacht auf den 1. Juni war das fast fertige, aber noch unbewohnte Holzhaus, mit dem das Rote Kreuz eine Unterkunft für vorerst 48 Flüchtlinge schaffen wollte, in Brand gesteckt worden. Trotz strömenden Regens konnten die Feuerwehrleute nur noch das Baufundament retten. Nur wenige Stunden nach dem Brand war klar: das Flüchtlingshaus wird erneut aufgebaut.

Beim Roten Kreuz rechnet man damit, dass das Haus Ende August an das Land Oberösterreich übergeben werden kann. Wann genau Flüchtlinge in Altenfelden wohnen werden, ist noch offen. "Im Schnitt dauert es zwei Wochen", meint ein Sprecher des Roten Kreuzes. Laut dem für Integration zuständigen Landesrat Rudi Anschober von den Grünen gibt es wegen einer Reserve von knapp tausend Plätzen aktuell keinen Druck. Insgesamt leben derzeit 13.600 Asylwerber in Oberösterreich, aufgeteilt auf 530 Quartiere.

"Alles in Ordnung"

Während sich Arbeiter im Flüchtlingshaus neben dem Altenfeldener Altstoffsammelzentrum um den Innenausbau kümmern, ist es ein paar hundert Meter weiter oben, am Marktplatz, ruhig. Die Geschäfte sperren für ein bis zwei Stunden zu, der Stammtisch im Gasthaus ist unbesetzt. "Urlaubszeit", sagt der Altenfeldener Bürgermeister Klaus Gattringer (ÖVP). Aber auch so sei es wieder ruhig in seiner Gemeinde: "Zwei Wirte, ein Arzt. Alles ist in Ordnung", sagt Gattringer.

Die Gemeinde erweckt tatsächlich den Eindruck, als sei sie zur Ruhe gekommen. Der Brandanschlag machte Altenfelden über Österreichs Grenzen hinweg bekannt. Es sei aber auch ein Anschlag auf das "Gemeinde-Ego" gewesen, erzählt Gattringer.

Kein Altenfeldener, nicht einmal vormalige Kritiker, hätte nach dem Brand zu ihm gesagt, dass man das Haus nicht mehr aufbauen sollte. Man sei aber auch besonnener geworden: "Am Stammtisch überlegt man sich jetzt ganz genau, was man sagt." Das liegt wohl auch an den laufenden Ermittlungen der Polizei.

Nach dem Brandanschlag wurde eine Sonderkommission gebildet, der rund 20 Personen angehören. Für sachdienliche Hinweise hat die Exekutive eine Belohnung von bis zu 5000 Euro in Aussicht gestellt. Die Polizei hat vorerst keine Spur zu den Tätern. Eine Überprüfung der rechten Szene im Raum Rohrbach (Altenfelden liegt im Bezirk Rohrbach, Anm.) verlief negativ.

Erhöhte Polizeipräsenz

Die Ermittlungen gehen weiter, ausgeschlossen werden kann nur ein Stammtischgerücht, das sich auch in sozialen Medien verbreitet hatte: Dass Flüchtlinge das Haus angezündet haben sollen. Das sei "absurd" und "kompletter Schwachsinn", sagt der Pressesprecher der Landespolizeidirektion Oberösterreich, David Furtner.

Das Flüchtlingshaus Altenfelden wurde und wird auch weiterhin verstärkt überwacht. Einerseits durch erhöhte Präsenz von Polizeistreifen, aber auch durch "technische Hilfsmittel": An den Ecken des Hauses wurden Überwachungskameras und Scheinwerfer montiert. Auch das baugleiche Flüchtlingshaus in St. Martin im Mühlkreis, nur zehn Minuten von Altenfelden entfernt, wurde anfangs überwacht. Dort zogen wenige Wochen nach dem Brandanschlag Flüchtlinge ein. Zwischenfälle wurden bisher keine gemeldet.

Der Brandanschlag blieb auch nicht ohne politische Folgen. Noch im Juni einigten sich die Partei- und Klubchefs der Landtagsparteien darauf, den Landessicherheitsrat wieder einzuführen. Dieser wurde davor abgeschafft, weil SPÖ und FPÖ in Detailverhandlungen zu keiner Einigung kamen. Der Landessicherheitsrat ist ein freiwilliges Gremium, das nicht in der Verfassung verankert ist. Er soll dazu dienen, die Landesregierung in Sicherheitsfragen, etwa beim Thema Extremismus, zu beraten.

Die Sozialistische Jugend Rohrbach veranstaltete nur vier Tage nach dem Brandanschlag eine Solidaritätskundgebung. Der Andrang war groß, die Polizei sprach von 350 Besuchern, die Veranstalter von noch viel mehr. Politiker von SPÖ und Grünen sprachen, ÖVP-Bürgermeister Gattringer hielt eine viel beklatschte Rede Gemeinsam sang man "We are the world". Einzig die FPÖ war nicht bei der Kundgebung vertreten. Man hätte sie aber auch nicht eingeladen, heißt es von der Sozialistischen Jugend.

Auf neue Bewohner vorbereitet

Altenfelden scheint vorbereitet auf seine neuen Bewohner. Laut Gattringer haben sich bereits 70 Personen gemeldet, die helfen wollen, darunter viele Lehrer, die zum Teil schon in Pension sind und Deutschkurse anbieten wollen. Ursprünglich war ein Tag der offenen Tür geplant. "Das machen wir aber sicher nicht", sagt Gattringer. Zu groß ist die Angst vor Randalierern und einem möglichen Tumult.

Gattringer sitzt entspannt in seinem Büro im Gemeindeamt. Er spricht über die aktuellen Krisenherde der Welt, über Putin und Erdogan. Dann erzählt Gattringer, dass sein Vater und dessen Geschwister für die Wehrmacht kämpfen mussten, weil sein Großvater, ein überzeugter Christlichsozialer, im Gemeinderat saß. In der heutigen Zeit erinnere ihn vieles an damals, sagt er. "Wenn wir das Haus nicht mehr aufgebaut hätten, würde bald jedes Flüchtlingshaus brennen."