Eine medienpolitische Bankrotterklärung

Von Gerhard Ruiss

Gastkommentare
Gerhard Ruiss ist Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren.
© CC BY-SA 4.0 / Manfred Werner (Tsui)

Das endgültige Ende der "Wiener Zeitung" in ihrer bisherigen Form besiegelt das Ende einer Politik, die sich in Medienfragen auskennt.


Der am Donnerstag erfolgte Beschluss des Bundesrates, keinen Einspruch gegen die Abschaffung der "Wiener Zeitung" und ihre Umwandlung in eine Dienstleistungsplattform zu verwandeln, besiegelt nicht nur das Ende der gedruckten Ausgabe der "Wiener Zeitung" als Tageszeitung. Dieser Beschluss besiegelt auch das Ende einer Politik, die sich in Medienfragen auskennt und auf der Höhe der Zeit Antworten auf mediale Entwicklungen sucht und findet.

Absurderweise offenbart sich diese medienpolitische Bankrotterklärung ausgerechnet am ältesten in Österreich erscheinenden Medium. Die "Wiener Zeitung" wird abgeschafft und damit journalistisches Personal abgebaut. Dafür wird in der Plattform, aus der die "Wiener Zeitung" wird, journalistisches Personal ausgebildet. Für wen? Für all die anderen Zeitungen, die jetzt journalistisches Personal abgebaut haben?

Ob die türkis-grüne Bundesregierung den Stellenwert der "Wiener Zeitung" je erkannt hat, ist nicht sicher. Sicher ist aber, dass sie die Notwendigkeit von zukunftssichernden Maßnahmen zur Erhaltung der qualitätsorientierten Medienlandschaft und die dramatische Situation, in der sich die heimischen Medien befinden, nicht erkennt. Wie sollte sie das aber auch? Hat es in den vergangenen Jahren doch genügt, auf Verlautbarungspolitik zu setzen und Plattformen zu fördern, die Propaganda als Medienarbeit ausgeben.

Die Zukunft tritt nicht per Verordnung ein. Das Buch bietet das beste Beispiel dafür. Die Zukunft des Buches wurde schon im Jahr 2000 in digitalen Ausgaben gesehen, es erscheinen seither Jahr für Jahr mehr Bücher als je zuvor. Welche Zukunft den Zeitungen bevorsteht, ist derzeit noch schwer auszumachen. Eine Bundesregierung, die das Ende der gedruckten "Wiener Zeitung" und deren Umwandlung in eine Verlautbarungsplattform als einzigen Weg für ihre Zukunft zu verantworten hat, weiß das am allerwenigsten.

Man hätte auch Medienexpertinnen und -experten fragen können, statt diese aus der Diskussion auszuschließen. So bleibt eben nur ein medienpolitisches Dilettieren mit dem tragischen Ende der "Wiener Zeitung" und ein paar dümmlichen politischen Begleitkommentaren als Ergebnis.

Was für eine erbärmliche Schmierenkomödie! Medienverantwortliche, die sich in ihren Rollen gefallen, Verantwortliche für Medien zu sein, bringen eine weltweit einzigartige Tageszeitung als Erste von allen zu Fall und halten das dann auch noch für eine Zukunftsleistung. Sie werden dafür in die Mediengeschichte eingehen, nicht nur als Einsteller der gedruckten "Wiener Zeitung", sondern auch als Weichensteller dafür, dass es vollkommen sinnlos ist, sich weiter mit der Herausgabe von gedruckten Tageszeitungen mit umfassendem redaktionellem und feuilletonistischem Inhalt zu beschäftigen. Jedenfalls, wenn man auf die derzeitige Bundesregierung angewiesen ist oder auf sie vertraut.