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Eine missliche Sache

Von Hermann Schlösser

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"Denken und Leben" - Unter diesem Titel stellt Konrad Paul Liessmann in der Reihe "Tonspuren spezial" (Ö1) große Denker der Vergangenheit vor. Oder, in seinen eigenen Worten: Er unternimmt "Annäherungen an die Philosophie in biographischen Skizzen". Nun könnte man zwar darüber philosophieren, ob die Biographie der Philosophen tatsächlich der beste Weg zum Verständnis ihrer Philosophie ist. Aber darüber zerbricht Liessmann sich nicht den Kopf. Er setzt voraus, dass die Lebensumstände der Philosophen ihr Denken prägten.

Am vergangenen Sonntag wurde ein Philosoph vorgestellt, der zum Leben eher gespannte Beziehungen unterhielt: Arthur Schopenhauer. Er hielt das Leben für "eine missliche Sache" und wollte mit seiner Philosophie niemanden über diesen pessimistischen Befund hinwegtrösten.

In allgemein verständlicher Rede schilderte Liessmann die denkerischen Bemühungen Schopenhauers um einen klaren, illusionslosen Blick. Unter anderem wies er auf Schopenhauers Bestreben hin, die "Dynamik des Körpers" außer Kraft zu setzen. Frei von Bedürfnissen und Begierden müsse der Denker sein, damit er die Dinge so erkennen könne, wie sie tatsächlich seien. Dass sich Schopenhauer damit den Idealen des Buddhismus näherte, verschwieg Liessmann nicht. Die Frage jedoch, ob sich der deutsche Philosoph des 19. Jahrhunderts damit etwa zum Guru heutiger Sinnsucher eigne, blieb unerörtert.