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Einen Präsidenten gehalten - einen verloren

Von Christian Mayr

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Nibelungentreue - so könnte man das Verhalten der europäischen Verbände am Donnerstag zusammenfassen, die in einer Krisensitzung ihrem Präsidenten, Michel Platini, das Vertrauen ausgesprochen haben. Der ob einer dubiosen Millionenzahlung für 90 Tage suspendierte Uefa-Boss bleibt damit Kandidat für die Nachfolge des ebenso suspendierten Fifa-Chefs Joseph Blatter. Diese Einigung der Uefa-Granden, die so einig nicht gewesen sein dürften, ist aber nichts anderes als eine Kapitulation im Rennen um das höchste Amt im Weltfußball.

Der vor Wochen noch ziemlich fix für Platini reservierte Fußball-Thron ist damit nicht nur für den früheren französischen Mittelfeldstar völlig illusorisch geworden, sondern auch für den wichtigsten Kontinentalverband, der ohnedies in der Ära-Blatter in die Bedeutungslosigkeit geschickt wurde. Wer von den Uefa-Mitgliedern ernsthaft glaubt, Platini, der bis dato nicht einmal die europäischen Kollegen von der Supersauberkeit der von Blatter für "besondere Verdienste" erhaltenen Zahlung überzeugen konnte, würde damit den strengen Fifa-Integritätscheck im Bewerbungsverfahren überstehen, ist ein Illusionist. Und selbst wenn Platinis Einspruch gegen die Sperre Früchte trägt und auch die Schweizer Staatsanwaltschaft im Eiltempo alles wieder fallen ließe, Platinis weiße Weste ist vor lauter Flecken nicht mehr reinzuwaschen. Erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass im Fifa-Wahlkampf Blatters Giftschrank zahlreich gegen seinen Erzfeind eingesetzt würde. Die Uefa-Verbände haben mit ihrem Votum Platini zwar als Uefa-Chef gehalten (denn ein Vertrauensverlust hätte wohl den Rücktritt bedeutet), damit aber auf die Fifa-Präsidentschaft verzichtet.