Zum Hauptinhalt springen

Einsparpotenzial in Millionenhöhe

Von Von Sebastian Neumann

Wissen

Generikaverband: Kopien theoretisch um 256 Millionen Euro im Jahr billiger.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 11 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. Im Medikamentenmarkt steckt viel Geld: Der Jahresumsatz in Österreich betrug 2011 1,9 Milliarden Euro, wie eine Studie des Marktforschungsunternehmens IMS Health Austria im Auftrag des Österreichischen Generikaverbandes (ÖGV) zeigt. 13 Prozent dieser Summe könnten aber laut ÖGV-Präsident Bernd Leiter eingespart werden, und zwar mit vermehrtem Einsatz von Generika. Ein Generikum ist eine wirkstoffgleiche Kopie eines Medikaments, dessen Patentschutz abgelaufen ist und das Mitbewerber darum nachproduzieren dürfen - ohne selbst Geld in Forschung investieren zu müssen.

Das macht sie billiger: "Der heftige Preiskampf zwischen den Generika-Anbietern führt dazu, dass die Generika langfristig um 55 Prozent günstiger werden als die Originalprodukte", zitiert Leiter aus der Studie. Bezogen auf die verkaufte Menge (und nicht den Umsatz) bedienen Generika 43 Prozent des patentfreien Marktes. Würden sie auch die restlichen 57 Prozent ausmachen, ergäbe sich damit ein theoretisches Einsparungspotenzial von 256 Millionen Euro pro Jahr.

Eine Zahl, die für den Generalsekretär des Pharmaindustrie-Verbandes Pharmig, Jan Oliver Huber, ein "Ausreißer" sein muss: "Zur Berechnung des 55-Prozent-Preisunterschieds wurden auch Produkte herangezogen, zu denen es gar keine Generika gibt."

Dass Generika aber insgesamt billiger sind, sei klar und auch gut für die Krankenkassen. Angst vor der billigeren Konkurrenz habe man bei der Pharmaindustrie keine, geforscht werde bei innovativen Unternehmen sowieso. Preisunterschiede kämen daher, dass Unternehmen oft auch nach Auslaufen ihres Patents den Preis nicht senken, "weil sie der Meinung sind, dass ihr Produkt immer noch besser ist." Dabei geht es etwa um Hilfsstoffe oder Form des Mittels. Der Rest ist gleich, wie auch Christoph Baumgärtel von der Medizinmarktaufsicht betont: "Fakt ist: Ein Generikum hat dieselben Wirkstoffe und ist genauso sicher wie ein Originalprodukt."

Generika im Vormarsch

Warum aber ist dann der Anteil an Generika immer noch vergleichsweise gering? Huber führt an, dass es bei geringen Preisunterschieden unsinnig sei, den Patienten durch immer wechselnde billigste Produkte zu verwirren. Dieser Meinung ist man auch beim ÖGV, dennoch erwartet sich Leiter weitere Einsparungen in der Zukunft - man müsse auch bei den Ärzten das Bewusstsein wecken, dass Generika oft viel billiger seien als gedacht.