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Emanzipatorisches für Kinder

Von Verena Franke

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Zu Gast "Im Künstlerzimmer" auf Ö1 waren am Dreikönigstag Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Autor und Regie) des Musicals "Cinderella passt was nicht", das heute im Wiener Renaissancetheater Premiere feiert. Die beiden Mitglieder der Neuköllner Oper aus Berlin haben es sich zur Auf-

gabe gemacht, "Aschenputtel" zu entstauben. Thomas Zaufke verwendete musikalische Elemente der Operette, "durchleuchtet mit den Augen des Musicals", wobei die musikalische Struktur an die Operette "Der Bettelstudent" erinnert.

Peter Lund will mit seiner Bearbeitung des Märchens "Aschenbrödel" die verstaubte Moral und das Verhältnis der Geschlechter modernisieren. "Überkommene Werte werden in Frage gestellt" und ironisiert, um Kinder und Erwachsene zum Nachdenken anzuregen. Aschenbrödel wird zu einer trotzigen und aufmüpfigen Cinderella, die nicht vor hat, schöne Kleider anzuziehen oder gar einen Aristokraten zu heiraten. Der Prinz, eine "aristokratische Knalltüte", mit sozialistischem Einschlag, will die Mäuse befreien, die Stellung der Frauen ist ihm aber gleichgültig. Trotz des emanzipatorischen Anspruchs soll "Cinderella passt was nicht" ein hoffnungsfrohes Kindermusical bleiben, das für alle Zuschauer geeignet ist, die Spaß an der Musik haben, "wach sind" und bereit sind, etwas Ungewöhnliches zu erleben.

Das die Neugier steigernde Gespräch bot auch einen ersten Vorgeschmack auf die Wiener Festwochen, bei denen "Cosi fan tutte" - statt mit Orchester lediglich auf zwei Flügeln achthändig gespielt - in Neuübersetzung und in die Homosexuellen-Szene versetzt zu sehen sein wird.