Zum Hauptinhalt springen

Emotionen

Von Francesco Campagner

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 25 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Fernsehen lebt von Emotionen. Ob bei "Vera", "Help-Tv" oder der Lassing-Berichterstattung, wo die Gefühlsebene aktiviert wird, dort steigen die Quoten. Gleiches gilt natürlich

auch für Sport-Übertragungen. Wenn eine österreichische Mannschaft um den Aufstieg in einem europäischen Fußball-Bewerb kämpft, kann der patriotische Zuseher kaum mit Gleichmut zusehen. Wer wundert

sich dann darüber, daß natürlich auch ein Kommentator ein Mensch aus Fleisch und Blut ist, der seine Gefühle nicht immer nur unterdrücken kann. Peter Elstner versuchte dies bei Rapid·Bordeaux erst

gar nicht. Er gab sich ganz dem Spiel hin, stieß sorgenvolle Seufzer bei Bordeaux-Angriffsaktionen aus und bangte mit der Rapid-Elf mit. Das emotionale Band hielt bis zum Ende. Kaum wähnte sich

Elstner, wie augenscheinlich auch die Hütteldorfer in der Verlängerung, da fiel auch das entscheidende Tor der Franzosen.

Ganz andere Gefühle erweckte in ORF 2 die an dieser Stelle schon öfters gelobte ORF-Serie "Am Schauplatz". Am Dienstag wurde der Zuseher mit einer Ur-Angst eines jeden Staatsbürgers konfrontiert:

unschuldig hinter Gittern zu landen. Wie auch die Wahrheit im geschilderten Beispiel nun letztendlich aussieht, den Sendungsmachern gelang es, einen Gerichtsfall ohne Häme oder gar Pathos dem TV-

Konsumenten näher zu bringen. Emotionen vermittelten sie aber dennoch, nicht nur den unbeteiligten Zusehern, sondern im stärkeren Maße auch der Justiz.