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Stephane Hessel (94) ruft die Jugend zu politischem Engagement auf.
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Wien. Alle, die sich über die aktuellen Zustände empören, müssen auch bereit sein zur politischen Arbeit, und zwar nicht abseits von den Parteien, betonte der 94-jährige Resistancekämpfer, KZ-Überlebende und Ex-Diplomat Stephane Hessel am Freitag bei einem Pressegespräch der Vereinigung "Reporter ohne Grenzen" im Wiener Parlament. Empörung sei notwendig, um aus der Indifferenz herauszukommen und um nachzudenken, was an unserer Gesellschaft falsch ist. Aber wenn man außerhalb der Parteien bleibt, besteht die Gefahr, dass die anderen die Sieger sind.
Wie sehr er selbst Engagement wichtig nimmt, stellte Hessel gleich anschließend klar: Er werde am kommenden Sonntag bei den Vorwahlen der französischen Sozialisten seine Stimme für Martine Aubry abgeben, weil er sie für eine gute Präsidentin halte. Es sei aber auch kein Malheur, wenn Francoise Hollande gewinne.
Der Autor von zwei vielbeachteten Büchern mit den Titeln "Empört euch" und "Engagiert euch", denen bald ein dritter Band mit dem Titel "Der Weg zur Hoffnung" folgen wird, den er gemeinsam mit dem Soziologen Edgar Morin verfasst hat, ist begeistert über politische Bewegungen wie die "Indignados" in Spanien und Portugal oder die "Occupy- Wall-Street"-Bewegung, die sich dagegen zur Wehr setzt, dass wenige Privilegierte die Macht haben und die Unterprivilegierten nicht bekommen, was sie sich wünschen. Um wirklich Erfolg zu haben, brauche man aber auch die Medien und hier liege vieles im Argen, wenn man sich etwa die Lage in Italien oder Ungarn ansehe. Auch die EU-Kommission bedachte der frühere Diplomat, der an der Erarbeitung der UN-Menschenrechtscharta beteiligt war, mit deutlicher Kritik. Zu schwach und zu feige agiere sie.
Zwei große Problemkreise gelte es in der Zukunft zu bewältigen. Erstens müsse der Abstand zwischen Armut und Reichtum, der sich in den letzten 25 Jahren enorm vergrößert hat, bewältigt werden und die Ausbeutung der Erde müsse ein Ende finden.
Hessel engagiert sich trotz seines hohen Alters intensiv für die Rechte der Palästinenser und unterstützt die Stiftung "Le Monde par tous", die in Asien und Afrika jenen Hilfe leistet, die selbst etwas für die Entwicklung tun. Er hofft, dass nach den Fehlentwicklungen des ersten Jahrzehnts dieses Jahrtausends, das durch den Terror des 1. September 2001 geprägt war - als Sicherheitspolitik über die Menschenrechte gestellt wurde -, die Menschen aufgewacht sind und Menschlichkeit und Mitgefühl wieder bestimmende Grundwerte werden.
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