Zum Hauptinhalt springen

Endung auf "ić" bringt Kunden

Von Momćilo Nikolić

Politik

Thara-Biznis-Preis würdigt Unternehmen, die Roma helfen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 10 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. Die ethnische Gruppe der Roma und Sinti bildet mit geschätzten 9 bis 12 Millionen Angehörigen eine der größten europäischen Minderheiten. Zugewanderte Roma sind überproportional mit Armut und sozialer Ausgrenzung konfrontiert. Diesen Umstand will die Initiative Thara der Volkshilfe seit 2005 ändern. Arbeitsmarktpolitische Projekte sollen Roma die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtern. Am Montag wurde nun erstmals der Thara-Biznis-Preis an Unternehmen verliehen, in denen Diversität eine große Rolle spielt und Arbeitnehmer aus der Roma-Community gefördert werden.

In der Kategorie "GründerInnen" gewann Snezana Katić. Die 37-jährige aus Serbien stammende Geschäftsführerin der Firma S-K Installationen kämpfte gegen Geringschätzung: "Aufgrund unserer Herkunft wurden wir von einigen Kunden und der Installateurinnung nicht von Anfang an als seriöses Unternehmen anerkannt." Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen zehn Angestellte mit Migrationshintergrund, darunter drei Roma-Lehrlinge. Die Sprachenvielfalt ist für Katić ein wichtiger Faktor. Neben Deutsch spricht das Team Romanes, Serbisch und Türkisch. "Mir ist Beratung in der Muttersprache sehr wichtig. Allein durch die Endung auf ,ić‘ wird man mehr von Kunden aus dem ehemaligen Jugoslawien aufgesucht.", sagt Katić. Den Thara-Biznis-Preis sieht sie als Anerkennung, sowohl für ihr Unternehmen als auch für sich selbst.

Nicht nur Serbokroatisch

Die zweitplatzierte Sandra Salkunić und ihr Ehemann Gabriel Reindl leben mit dem Unternehmen Esma & Gabrielo Mode ebenfalls kulturelle Vielfalt. Sie versuchen, den modernen Kleidungsstil mit dem traditionellen der Roma zu vereinen. "Die Idee zum Modegeschäft kam uns, weil wir selbst schöne und ausgefallene Kleidung mochten und von vielen hörten, ihnen gehe es ebenso. Aber es gab kaum Möglichkeiten, etwas zu finden. Uns war von Anfang an wichtig, dass unser Angebot zwar exklusiv, aber auch leistbar ist."

Im Gegensatz zu anderen hatte Salkunić keine Schwierigkeiten in diesem Land. "Ich habe mir damals vorgenommen, nach Österreich zu kommen. Da war es nur richtig, mich anzupassen und Deutsch zu sprechen, damit es die anderen Schüler und Lehrer auch verstehen. Warum hätte ich nur Serbokroatisch reden sollen?"

Die Anerkennung des jungen Unternehmens (Gründung: Dezember 2012) schätzt das Ehepaar sehr: "Der Preis ist schön und bedeutet, man wird anerkannt. So etwas ist selten. Man ist froh, als Kind mit Migrationshintergrund ausgezeichnet zu werden und etwas für die Gemeinde zu tun."

Amela Mirković ist Gründerin der Unternehmensberatung Transcultural Work und wurde mit dem Anerkennungspreis von Thara ausgezeichnet. Die 45-Jährige war unter anderem elf Jahre lang Managerin im mittleren Bereich, arbeitete als Lehrerin in sämtlichen Schultypen und war zudem noch als Mediatorin und in der Informations- und Kommunikationstechnologie tätig. "Eines Abends habe ich im Sinne einer Kompetenzbilanz darüber nachgedacht, wo ich meine fachlichen Kompetenzen als Coach, Mediatorin, Trainerin und meine Sprachdienstleistungen am besten anbieten und einsetzen kann."

Ausschließende Gesellschaft

Seit 2011 bietet sie nun mit Transcultural Work konkrete Hilfestellungen für Menschen, die nach Wien kommen. Das Beratungsangebot reicht von Gründungscoaching über Fragen zu Aufenthalt bis hin zum Übersiedelungsmanagement. Die Kunden stammen aus Ex-Jugoslawien, der Türkei und sogar aus Dubai. "Den Lebensmittelpunkt in eine andere Stadt zu verlagern, ist nicht einfach. Man muss wissen, wo man Hilfe jeder Art finden kann."

Die Unternehmerin weiß, wie es ist, sich deplatziert zu fühlen. Als Gastarbeiterkind erfuhr sie aus erster Hand, dass es hier eine Kultur der ausschließenden Gesellschaften gibt. "Die Mehrheit bestimmt, wer dazugehört. Ich habe stets ganz viel kämpfen müssen", sagt sie und fügt hinzu: "Diese Mehrheit, die ,normal‘ ist, ist blind und möchte nicht sehen, welche anderen Perspektiven es gibt. Es gibt ganz viele Wirklichkeiten und Wahrheiten, wir sind ja als Menschen durch die Sozialisation begrenzt. Das sollte man anerkennen."

Heutzutage beschäftigt das Unternehmen vier weitere Mitarbeiter mit Migrationshintergrund und hat große Pläne. Im Dezember erscheint die Zeitschrift namens SAN (Serbian-Austrian-News; als Übersetzung aus dem Serbokroatischen: Traum) und möchte sich als unabhängiges Qualitätsmedium im Bereich Wirtschaftspolitisches etablieren. Zudem möchte man als Sozialprofit-Unternehmen im öffentlich-rechtlichen Raum gewinnschonend wachsen, um die Zugewinne in weitere Sozialprojekte zu investieren. Auch soll eine Arbeitsvermittlung ein baldiger Teil von Transcultural Work werden.