Zum Hauptinhalt springen

Engel und Teufel

Von Heinz Fahnler

Politik

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 24 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Morgen, Samstag, ist, nach dem katholischen Kalender, das Schutzengelfest. Eine gute, für manche Parteiführer vielleicht sogar die letzte Chance, den seinigen anzurufen. Weil am Sonntag ist

Wahltag.

Eine Wahl ist immer etwas besonderes. Am 3. Oktober aber, so sagen manche, gehe es auch um eine Richtungsentscheidung.

Da könnte der Schutzengel-Zuspruch von oben schon sehr wichtig sein, vor allem dann, wenn die Basis von unten die Gefolgschaft versagt.

Zu den Schutzengeln hat sicherlich die ÖVP die besten Beziehungen. Aber ist diese Beziehung nicht doch getrübt? Vielleicht seit jenem Zeitpunkt, als der VP-Chef ankündigte, als Nummer drei im

Parteienwettstreit in die Opposition gehen zu wollen ?

Da möge das Schutzengerl überlegt haben: Das grenzt doch an eine Art von Demokratieverweigerung, ähnlich wie bei den Roten, als sie keinen eigenen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl, keinen für

den ORF-GI, nominierte. Unsere schwarzen Freunde wollen sich also aus der politischen Verantwortung verabschieden, obwohl sie soviel für das Wohlergehen der Menschen in diesem Land getan und erreicht

haben.

Aber natürlich hat sich das Schutzengerl seinen Realitätssinn bewahrt. Und es stellt fest: Seit 13 Jahren hat es die ÖVP verstanden, in der Koalition (das ist kein himmlischer sondern ein zutiefst

profaner Begriff) mit den stärkeren roten Teufelchen sowohl die Rolle des Regierenden als auch allzuoft die Rolle des Oppositionellen gegenüber dem Regierungspartner zu spielen.

Und überhaupt nicht erstaunt, sondern mit der Realitätspolitik bestens vertraut, stellt das Schutzengerl fest: Da gibt es ja noch die dritte Dimension, eine weitere Option, diese sogar in der

himmlischen Farbe blau. Daß dieses Blau mitunter von braun überschattet wird, zählt zu den atmosphärischen Störungen.

Doch hier wird unser Schutzengerl wieder hellhörig. Dieses Blau-Braun will keinen Stein auf dem anderen lassen. Und es stellt sich die Frage: Ist das wirklich eine Option ?

In dieser Situation entdeckt das Schutzengerl seine, an sich problematische, Liebe zu den roten Teufelchen. Und erkennt: Die haben ein klares Programm, das sind gar keine solchen roten Teufel, weil

sie sich für eine Reformpartnerschaft mit allen demokratisch-positiven Kräften, für Beschäftigung, Frauenpolitik, Pensionssicherung und Sicherheitspolitik · und vor allem für ein Österreich, das

weiter arbeits- und regierungsfähig ist und bleibt, ausgesprochen haben.

Am Tag nach der Wahl, am Montag dem 4. Oktober, hat der Heilige Franz von Assisi (1182·1226 u.Z.) seinen Ehrentag. Er war ein weltfreudiges Wesen mit innigem Naturgefühl, tiefer Frömmigkeit und

opferbereiter Liebe.

Für ein lebenswertes Österreich auch nach dem 3. Oktober werden die Schutzengel bei ihm Fürsprache halten.