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Entstehung eines Hurrikans: Viele Konstanten und doch wenig Gewissheit

Von Ronald Schönhuber

Analysen

In den USA folgte 2005 ein verheerender Hurrikan auf den nächsten. Mit 27 Namensstürmen, darunter "Katrina", ging die damalige Saison in die Rekordbücher ein. 2006 gab es trotz anderslautender Prognosen, die eine ähnliche schwere Saison voraussagten, lediglich drei Wirbelstürme, die das Land erreichten. Dass sich Wirbelstürme nur selten in ein Modell - und sei es mit noch so vielen Computern errechnet - pressen lassen, zeigt auch das heurige Jahr: Der erste Hurrikan entstand mit "Dean" erst Mitte August, obwohl die Saison am 1. Juni begonnen hat.


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Dass die Hurrikanprognose ein unsicheres und variablenbehaftetes Geschäft ist, das aber gleichzeitig auf viele Konstanten bauen kann, hat vor allem mit der Entstehung der Stürme zu tun.

Tropische Wirbelstürme bilden sich über dem Meer, wenn das Wasser mindestens 26,5 Grad warm ist und stark verdunstet. Da die warme Luft aufsteigt, kann neue Warmluft in den tieferen Schichten nachströmen, wodurch sich die Energie des Sturms sukzessive steigert. Die am Boden zuströmenden Luftmassen werden von der durch die Erddrehung bedingten Coriolis-Kraft in Rotation versetzt: Ein großflächiger Wirbel entsteht. Überschreitet dessen Windgeschwindigkeit dann 118 Stundenkilometer, wird aus einem Tropensturm ein Hurrikan.

Diese für die Entstehung eines Hurrikans notwendigen Voraussetzungen legen damit auch den Geburtsort fest: ist die Entfernung zum Äquator zu groß, wird das Wasser zu kalt; ist die Distanz zu knapp, fehlt die zum Äquator hin abnehmende Coriolis-Kraft.

Die Notwendigkeit von warmem Wasser, das ja gewissermaßen den Treibstoff eines Wirbelsturms darstellt, limitiert auch dessen Ausbreitungsgebiet. Über Land - ohne Zufuhr neuer feuchtwarmer Luftmassen - verliert der Sturm rasch an Kraft. Ebenso festgelegt ist die Zeit. Im Atlantik dauert die Hurrikan-Saison von 1. Juni bis 30. November. Nur dann ist das Wasser warm genug. Es gibt allerdings auch immer wieder Ausreißer wie etwa den Tropensturm "Andrea", der sich heuer bereits Anfang Mai gebildet hat.

Nichtsdestotrotz sind Hurrikans aber Wetterphänomene und als solche kurzfristigen meteorologischen Einflüssen unterworfen. So kann etwa warme Luft aus der Sahara Hurrikans austrocknen. Und wie langfristige Klimazyklen, Höhenströmungen oder das El-Nino-Phänomen ineinandergreifen, sind die Wissenschafter gerade erst dabei, zu begreifen. 7