Erbgut von Fledermäusen entschlüsselt

Von Judith Aspöck

Wissen

Die Erkenntnisse könnten in Zukunft bei der Virusbekämpfung helfen.


Tollwut, Mers, Sars, und Ebola wurden in Fledermäusen schon nachgewiesen. Die Fledertiere dürften auch der Ausgangspunkt der weltweiten Covid-19-Pandemie sein und dabei als ursprüngliches Erregerreservoir gedient haben, bevor die Coronaviren auf andere tierische Zwischenwirte übertragen wurden.

Der Handel der Tiere birgt große Gefahren in sich, denn Fledermäuse leben mit Coronaviren so wie Menschen mit Herpesviren: Die Erreger befinden sich im Körper, bleiben, aber meist unbemerkt, ohne eine Erkrankung auszulösen. Wenn es dann zu direktem Kontakt mit anderen Tieren oder Menschen kommt, können die Viren übertragen werden.

Doch warum Fledermäuse derart anfällig für Viren sind, gleichzeitig aber besonders widerstandsfähig gegenüber tödlichen Krankheiten, war lange Zeit unklar. Nun ist es Forschern der Max-Planck-Gesellschaft aber gelungen, das Erbgut von Fledermäusen fast vollständig zu entschlüsseln. 96 bis 99 Prozent jedes Fledermausgenoms auf Chromosomenebene konnte rekonstruiert werden.

Um die einzigartigen Eigenschaften der Fledertiere zu erforschen, wurde gezielt nach genomischen Veränderungen gesucht. So seien Duplikationen von antiviralen Genen, Änderungen in Genen des Immunsystems und der Verlust von entzündungsfördernden Genen entdeckt worden. Diese Modifikationen könnten die außergewöhnliche Immunität der Fledermäuse erklären - darunter ihre Toleranz gegenüber Coronaviren. Außerdem seien Veränderungen in den Genen des Gehörs gefunden worden, die zur Echoortung beitragen könnten.

Emma Teeling, die Hauptautorin der Studie, erklärte: "Wir können nun besser verstehen, wie Fledermäuse Viren tolerieren, das Altern verlangsamen und Flug und Echoortung entwickelt haben." Mit den Ergebnissen erhoffen sich die Forscher, wichtige Erkenntnisse für den Menschen zu gewinnen und in Zukunft Krankheiten und Alterungsprozesse lindern zu können.