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Erdloch mit Blick auf den Palast

Von Robin Pomeroy

Politik

In Blickweite seiner edlen Paläste in Tikrit hatte Saddam Hussein in einer schlichten Höhle Unterschlupf gesucht, die zum letzten Versteck des einstigen Machthabers wurde.


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"Es ist schon ironisch, dass er sich in einem Erdloch gegenüber dieser großartigen Paläste versteckte, die er mit dem Geld baute, das er von dem irakischen Volk gestohlen hatte", sagte am Sonntag der Generalmajor der 4. US-Infanteriedivision, Ray Odierno. Die Höhle habe sich hinter einer Hütte befunden, berichtete Odierno. "Er (Saddam) war sehr desorientiert und wurde weggebracht."

Zuvor habe die Armee nach Hinweisen aus irakischen Kreisen ein Gebiet nahe El Dawr rund 15 Kilometer vor Tikrit abgeriegelt. Der entscheidende Hinweis sei aus einer Gruppe von fünf bis zehn Personen gekommen, die dorthin gebracht wurden. "Er hätte sich an hundert verschiedenen Stellen, tausend verschiedenen Orten dieser Art versteckt halten können, und so ging es nur darum, die richtige Person zu finden, die den rechten Tipp gibt, wo er sich aufhält", sagte Odierno. Die an dem Einsatz beteiligten Soldaten hätten gewusst, dass es um einen "dicken Fisch" ging, dass es sich dabei um Saddam handele, sei jedoch lange unklar gewesen.

Auch in der US-Regierung wurde die Nachricht zunächst mit Vorsicht aufgenommen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld informierte nach eigenen Angaben US-Präsident George W. Bush erstmals am Samstagnachmittag über die Festnahme.

Saddam war nach Einschätzung von Generalmajor Odierno wohl ständig in der als sunnitischen Dreieck bezeichneten Region nördlich von Bagdad von einem Unterschlupf zum nächsten gehastet. Odierno zeigte Reportern einen Metallkasten, in dem sich 750.000 Dollar befunden hätten.

Handys oder andere Kommunikationsgeräte seien hingegen nicht gefunden worden. Saddam habe daher die Anschläge auf US-Truppen wohl nicht koordiniert, sagte Odierno. "Ich glaube, er war mehr für die moralische Unterstützung da. "