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Erst muss der Terror aus unseren Köpfen

Von Walter Hämmerle

Analysen

Das Interesse des Staates an seinen Bürgern war zuallererst ein finanzielles: Bekanntlich mussten schon Josef und die hochschwangere Maria auf Befehl des Kaisers nach Bethlehem, um sich zählen und schätzen zu lassen. Später, in der Zeit der Wehrpflicht und der Volksarmeen, kam ein militärisches hinzu. | Der ganze Prozess der modernen Staatsbildung war begleitet vom unablässigen Bemühen eben jenes Staates, sich Bürger nach seinem Bedarf zu schaffen. Das Wissen über Geburtsort, Alter, Vermögen und Ehestand genügten ihm dazu bald nicht mehr, also begann der Staat, sich auch für die Religion, Sprache, Bildung, Wohnbedingungen und vieles andere mehr zu interessieren.


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Wir leben längst in einer Wissensgesellschaft und es ist bemerkenswert, dass sich ausgerechnet der Staat - und sei es in transnationaler Form wie der Europäischen Union - mit einiger Leidenschaft mit dieser neuen Parole identifiziert.

Angst - oder positiv formuliert: die Sorge um die Sicherheit - ist der mächtige Motor hinter dieser dynamischen Entwicklung. Die Terroranschläge von 9/11 haben tiefe Spuren im Bewusstsein des Westens hinterlassen; vor allem der Umstand, dass einige der Täter zum Teil jahrelang unerkannt unter uns gelebt haben, hat das Gefühl für eine potenziell allgegenwärtige Bedrohung geschürt.

Perfekte Tarnung verlangt in dieser Logik nach perfekter Observierung. Das Recht auf den Schutz der Privatsphäre wird damit zur Makulatur. Im Interesse der Sicherheit. Das Pendel schlägt unabänderlich in diese Richtung. Ändern wird sich dies erst dann, wenn die Angst vor dem Terror aus unseren Köpfen verschwunden ist.

analyse@wienerzeitung.at