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Ertragreicher Müll

Von Christian Rösner

Politik
© Rösner

In der Lobau befindet sich das größte Kompostwerk Europas: 100.000 Tonnen Bioabfälle werden dort jährlich aufbereitet.


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Wien. "Was woanders ein Problem ist, wird bei uns zum Produkt", erklärte der Donaustädter Bezirksvorsteher Norbert Scheed am Mittwoch bei der Präsentation der neuen Bioaufbereitungsanlage im Kompostwerk Lobau. Immerhin werden dort pro Jahr 100.000 Tonnen Bioabfälle aufbereitet, die den Wienern dann gratis als Kompost zur Verfügung gestellt werden. Beziehungsweise wird seit 2009 auch torffreie Erde hergestellt, die auf den Wiener Mistplätzen gekauft werden kann.

"Allein dieses Jahr haben wir insgesamt 40.000 Säcke verkauft, das sind doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr", betonte MA48-Chef Josef Thon. Laut seinen Angaben ist das Wiener Kompostwerk das größte Europas. Und das effizienteste: Bis vor kurzem wurden die biogenen Abfälle im Rinterzelt im 22. Bezirk aufbereitet. Nun erfolgen sowohl Aufbereitung als auch Kompostierung gemeinsam am Standort in der Lobau, was der MA48 rund 5000 Lkw-Fahrten im Jahr erspart, so Thon.

In der mechanischen Aufbereitungsanlage in der Lobau wird das gesammelte Material zerkleinert, abgesiebt und von Verunreinigungen und Metallen befreit. Anschließend wird es mit vorzerkleinertem Strukturmaterial gemischt und mit Wasser befeuchtet. Dieser "Rohkompost" wird in sogenannten Zeilenmieten auf die Rottefläche aufgebracht. Während der gesamten Rottephase wird das Material mit eigenen Kompostumsetzmaschinen täglich gewendet und bewässert. Nach acht bis zehn Wochen ist das Kompostmaterial gereift und wird für die nachfolgende Vermarktung abgesiebt. "In den 1990er Jahren hat das noch vier bis sechs Monate gedauert", betonte der MA48-Chef.

Wiener trennen richtig

"Für mich ist es vor allem wichtig, auf die Kreislaufwirtschaft hinzuweisen, die wir hier in der Stadt betreiben. Und die Wienerinnen und Wiener sollen sehen, dass es Sinn macht, den Müll zu trennen", meinte Umweltstadträtin Ulli Sima dazu. Ihrer Vision, dass einmal in jedem Baumarkt Erdsäcke aus Wien verkauft werden, ist sie jedenfalls schon ein deutliches Stück nähergerückt. Die Entscheidung, Speisereste aus der Biotonne zu verbannen, sei auf jeden Fall die richtige gewesen. Aus den Gartenabfällen wird Kompost und Erde gemacht, die Speisereste landen im Biomassekraftwerk. "Andere Städte vermischen beides und können daher auch nicht kompostieren", meinte Thon. Und die Wiener halten sich zum größten Teil an die Vorgaben - lediglich in Gebieten innerhalb des Gürtels dürfte man es damit nicht so genau nehmen. "Aber das sind nur zehn Strecken, die meistens den direkten Weg ins Biomassekraftwerk gehen", so Thon.

Von der Qualität des Kompostes ist der MA48-Chef überzeugt. "In unserer Erde sind doppelt soviele Würmer drinnen als in Böden, die mit chemischen Düngern aufbereitet wurden", meinte Thon. Und das sei auch von der Universität für Bodenkultur bestätigt worden: Die torffreie Erde entspreche seit 2011 den strengen Vorgaben des Österreichischen Umweltzeichens, welche laufend durch unabhängige Gutachten überprüft werden.

Und auch im Kompostwerk mit seiner 5,2 Hektar großen Rottefläche setzt man auf Kreislaufwirtschaft: Alle mobilen Maschinen zur Kompostierung werden mit Biodiesel betrieben, der aus Altspeiseölen und -fetten hergestellt wird, die von den Wienern bei der MA48 abgegeben werden.