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Erwin Teufel: Politiker der leisen Töne

Von Rainer Mayerhofer

Politik

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Stuttgart - Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel hat all seine Kritiker Lügen gestraft. Dem 61 Jahre alten Regierungschef gelang es unerwartet klar, gegen den Bundestrend und gegen die Querelen in der dortigen CDU-Führung im Land zuzulegen.

Teufel, der seit 1964 in der aktiven Politik steht, als er als damals jüngster Bürgermeister der BRD in Spaichingen gewählt wurde, gilt als Politiker der leisten Töne. Dem Baden-Württembergischen Landtag gehört der studierte Diplom-Verwaltungswirt seit 1972 an. Unter dem später wegen seiner Todesurteile in den letzten Kriegstagen zurückgetretenen Hans Filbinger wurde er im gleichen Jahr bereits politischer Staatssekretär im Innenministerium, zwei Jahre später Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium und anschließend Staatssekretär für Umweltschutz. 1978 wurde er schließlich unter Ministerpräsident Lothar Späth Fraktionsvorsitzender. Diese Tätigkeit übte er 13 Jahre lang aus und erwies sich dabei oft als Vordenker seiner Partei, z.B. bei der Aufnahme von Vietnamflüchtlingen, Humanisierung der Arbeitswelt, Ausländerintegration und in ökologischen Fragen.

Als Lothar Späth wegen der "Traumschiff-Affäre" um von der Industrie finanzierten Reisen im Jänner 1991 zurücktreten musste, war Erwin Teufel der unumstrittene Nachfolger als Ministerpräsident und ab Oktober 1991 auch als CDU-Landesvorsitzender. 1992 musste die alleinregierende CDU bei den Landtagswahlen empfindliche Stimmenverluste hinnehmen und ging eine große Koalition mit der Landes-SPD ein. Nach den Wahlen 1996 bildete Teufel dann die Koalition mit der FDP.